Interview mit dem italienischen Starwinzer Elio Altare

Vor allem wunderbare Barolo!

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Von Dieter Simon  ·   02 Januar 2017   ·   760  
Elio Altare mit Tochter Elena, die in Bamberg eine Weinagentur betreibt.Elio Altare mit Tochter Elena, die in Bamberg eine Weinagentur betreibt.
Elio Altare, der vielfach dekorierte Winzer aus Piemont, betreibt das Weingut Cascina Nuova in La Morra in der Barolo-Region. 1948 hatte sein Großvater das Gut als seinerzeit landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb erworben. 1976 zog der junge Elio zusammen mit Freunden nach Burgund, um mehr über hochklassige Weinproduktion auch in der Ferne zu lernen. Anschließend begann er, mit verschiedenen Methoden zu experimentieren, und schlug eine neue Richtung ein: Neue Kellertechnik, Strenge im Weinberg, mehr Vielfalt in den Sorten, um die Vorzüge der Gegend einzufangen und Weine von großer Eleganz, Finesse und Balance zu erzeugen. Seiner revolutionären Ideen wegen wurde er vom Vater enterbt, übernahm jedoch im Alter von 26 Jahren den heute 12 Hektar Betrieb. Biologischer Anbau wird ganz groß geschrieben, ist für Altare aber keine „Religion“. Von den beiden Töchtern folgt Silvia dem Weg des Vaters im Weingut, während Tochter Elena in Bamberg eine Weinagentur betreibt, über die man Altare Weine bequem in Deutschland erhält.
 
bonvinitas: Herr Altare, bonvinitas ist ein Online-Magazin vor allem für Weinfreunde, die gerne genießen. Daher erlauben Sie bitte zuerst einige persönliche Fragen. Welche Weine bevorzugen Sie für sich?
Altare: Ich selbst liebe Weißweine, wie zum Beispiel Chardonnay aus Burgund sowie auch Riesling. Das ist zum Genießen. Gegen den Durst trinke ich schlicht Wasser.
 
bonvinitas: Welche Weine bevorzugen Sie zu welchen Speisen?
Altare: Zu Antipasti insbesondere zu Wurst oder Salami trinke ich gerne einen Riesling seiner Fruchtsäure wegen, die auch hilft, den Mund wieder sauber zu bekommen. Süße Rieslinge passen gut zu Käse oder Gänseleber. Zu Gebratenem liebe ich Pinot Noir, wobei auch das Elsass wie Baden über gute Terroirs verfügen.
 
bonvinitas: Trinken Sie auch Wein nur zum genießen – zum Beispiel nach dem Abendessen?
Altare: Wein trinke ich zum Essen, danach immer einen Espresso. Dann nochmals Wein wird schwierig, dann nehme ich eher einen Digestif.
 
bonvinitas: Jetzt mehr zu Ihrem Weingut. Sie sind sehr bekannt. Was war hierfür der entscheidende Faktor?
Altare: Meine Philosophie ist Bescheidenheit und hören können. Ich habe als Autodidakt großen Winzern zugehört und viel gelernt.
 
bonvinitas: Welche Ihrer Sorten sind die wichtigsten?
Altare: Wir bauen vor allem Nebbiolo an sowie Barbera und Dolcetto. Von unseren Weinen sind viele Blends.
 
bonvinitas: Wie alt sind Ihre Weinberge im Durchschnitt?
Altare: Unser ältester Weinberg ist 48 Jahre alt. Dann habe ich 1989 und in den 1990er Jahren neue Weinberge angelegt, die heute 20 bis gen 30 Jahre alt sind.
 
bonvinitas: Wie wichtig sind für Sie Boden und Klima?
Altare: Nebbiolo wird seit Jahrtausenden in der Region angebaut. Er hat sich sozusagen akklimatisiert und das Typische der Region eingeatmet. Nebbiolo ist die typische Sorte im Piemont und hauptsächlich hier zu Hause.
 
bonvinitas: Sie betreiben biologischen Weinbau. Was bedeutet für Sie im Einklang mit der Natur?
Altare: Wir arbeiten seit 70 Jahren ohne Chemie! Das ist für mich ebenso wichtig wie für die Natur. Ich respektiere die Natur. Ich lebe mit ihr und gehe mit ihr eine Symbiose ein. Wenn die Böden mit Chemie durchtränkt sind, kann Chemie auch nichts mehr retten. Dann ist es zu spät. Der natürliche Weinbau verlangt allerdings viel Handarbeit. Ich behandle die Pflanzen wie Menschen. Chemie würde ich nur im Notfall verwenden, dieser ist aber zum Glück noch nicht vorgekommen.
 
bonvinitas: Was ist für Sie am wichtigsten für die Reifung der Weine?
Altare: Für die Qualität und Reifung sind für mich drei Regeln am wichtigsten: erstens gesunde Trauben, zweitens ausreichende Maischestandzeiten. Diese bedeuten die Geburt des Weins. In dritter Linie Sauberkeit. Einfachere Weine lassen wir im Tank reifen, die höherwertigen kommen 24 Monate ins Barrique.
 
bonvinitas: Wie lange lassen sie die Weine sich entwickeln, ehe Sie mit dem Verkauf beginnen?
Altare: Eigentlich verkaufen wir sie, weil Kunden sie trinken wollen. Ein guter Barolo sollte aber noch mindestens zwei Jahre in der Flasche reifen, also zusammen vier Jahre. Zur Zeit ist der 2009er unser Bester, sehr gut ist auch der Jahrgang 2012.
 
bonvinitas: Was sind Ihre wichtigsten Weine?
Altare: Einfache Antwort: Barolo.
 
bonvinitas: Was sind Ihre wichtigsten Exportländer?
Altare: 85% unserer Weine gehen in den Export in die ganze Welt. Wichtig sind die USA aber auch Asien und Deutschland. Deutschland ist in Europa unser wichtigster Markt.
 
bonvinitas: Für die Verbraucher und den eigenen Weinkeller - was empfehlen Sie, junge Weine kaufen und ihre Entwicklung erleben oder ältere Weine kaufen?
Altare: Wenn ich als Verbraucher die Möglichkeit hätte zu lagern, würde ich mindestens 12 Flaschen je Wein kaufen und jedes Jahr eine probieren. Auch die Qualität des Korks spielt eine wichtige Rolle.
 
bonvinitas: Wenn ich einen privaten Weinkeller starte, und Geld keine Rolle spielen würde, was würden Sie empfehlen zu kaufen?
Altare: Ich würde mir Champagner hinlegen, Pinot Noir aus Burgund, Nebbilo, Riesling und Chardonnay, aber auch Rote aus Sizilien, wie Weine der Sorte Nerello Mascalese aus dem Ätna Gebiet.
 
Herr Altare, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
 
Das Interview führte Dieter Simon, Herausgeber und Chefredakteur bonvinitas. Portraitfoto: bonvinitas
 

Beim Weinsalon VÉRITABLE hatte ich Gelegenheit, Altare Weine zu verkosten. Wenn dort auch viel Trubel herrschte, hier doch einige kurze Notizen:

2012 Larigi – 100% Barbera: Im Duft Johannisbeergelee, auf der Zunge fruchtige, süßliche Noten, kräftige Tannine.
 
2012 La Villa – 60% Barbera, 40% Nebbiolo: Im Duft Kirschen und Johannisbeergelee, am Gaumen sehr kräftig, reife Tannine.
 
2009 Barolo – 100% Nebbiolo: Tiefer Duft, Toastnoten, auf der Zunge lebendige Frucht, kräftige Tannine.
 
2009 Barolo Cerretta – 100% Nebiolo: Fruchtiger Duft, am Gaumen wuchtig, kräftige, angenehm reife Tannine.
 
2011 L’Insieme – 40% Cabernet Sauvignon, 20% Barbera, 20% Nebbiolo, 10% Dolcetta, 5% Syrah, 5% Petit Verdot: Feinherber Duft mit Wacholder Noten, auf der Zunge kräftig mit üppigem Ausklang und reifen Tanninen.
 
Dieter Simon
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