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Interview mit Steffen Christmann, Weingut Christmann, Präsident des VDP

Herkünfte als Marken und Konzentration auf unsere Stärken: Riesling und Spätburgunder

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Von Dieter Simon  ·   19 Juli 2017   ·   807  
Steffen Christmann, Weingut Christmann, Präsident des VDP. Foto: Andreas DurstSteffen Christmann, Weingut Christmann, Präsident des VDP. Foto: Andreas Durst
Im Rahmen der „véritable 2017“ in St.Martin/Pfalz, die als schönste Weinfachmesse Deutschlands gilt, führte bonvinitas dieses Interview mit Steffen Christmann, Inhaber des VDP-Weinguts Christmann in Gimmeldingen in der Pfalz und zugleich Präsident des VDP.Die Prädikatsweingüter. Die Fragen stellte Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas.
 

bonvinitas: Herr Christmann, Sie sind Inhaber des VDP Weinguts Christmann in Gimmeldingen. Zunächst zu Ihrem eigenen Weingut - darf ich nach Ihrer Philosophie fragen:

Foto: DiethFoto: DiethSteffen Christmann: Wir sind ein sehr traditionsreiches Weingut, dessen Reben zu 85 % als VDP.Große oder VDP.Erste Lagen klassifiziert sind. So stehen für uns  die Lagen, also die Herkünfte viel stärker im Fokus als die Rebsorten. Seit 2014 arbeiten wir auch zertifiziert biodynamisch da es für uns sehr  wichtig ist, dass die Rebe in Harmonie mit ihrer Umgebung wächst und so sehr authentische Weine hervorbringt. Wir wollen Weine erzeugen, die etwas von uns und dem Weinberg erzählen. Bei allem bin ich aber auch davon überzeugt,  dass wir Winzer  nur gemeinsam etwas voran kommen können.

bonvinitas: Darf ich nach Ihrem Werdegang fragen?

Steffen Christmann: Ich leite das Weingut seit 1996 nun in der 8. Generation. Die Weinbautradition meiner Familie reicht bis ins 17. Jahrhundert. So ist es mir wichtig das Gut, dass ich nur zu treuen Händen erhalten habe, im bestmöglichen Zustand an die nächste Generation weiterzugeben. Nach dem Abitur habe ich zunächst Jura studiert. Dann aber habe ich doch eine Winzerausbildung absolviert. Zunächst war ich dann noch hälftig als Rechtsanwalt tätig, doch seit 10 Jahren steht das Weinguts absolut im Vordergrund. Meine Anwaltstätigkeit tendiert gegen Null.

bonvinitas: Was sind Ihre hauptsächlichen Sorten?

Steffen Christmann: Die Rebsorten die ihre optimale Heimat an der Mittelhaardt gefunden haben, vor allem der  Riesling und aber auch der Spätburgunder, beide zusammen mit 90%. Damit können wir weltweit in der ersten Liga spielen. Wir haben auch Weißburgunder und geringe Flächen anderer Sorten. Doch Weine dieses Typs gibt es viele. Für mich macht es zum Beispiel keinen Sinn, den „hunderttausendsten“ Sauvignon Blanc anzubieten wenn ich einen der besten Rieslinge anbieten kann. Ein konzentriertes Sortiment verstehen auch die Konsumenten weltweit. Der deutsche Export von einfachen Konsumweinen ist stark rückläufig, oft weil deutsche Weine zu kompliziert sind. Dagegen steigt der Export von guten Rieslingen und Spätburgundern mit klarem Herkunftsprofil.

bonvinitas: Würden Sie etwas zu Ihrer Stilistik sagen?

Im Keller des Weinguts Christmann. Foto: FaberIm Keller des Weinguts Christmann. Foto: FaberSteffen Christmann: Wir erzeugen nahezu ausschließlich trockene Weine und zwar wirklich trocken, das heißt unter 3 g/l Restzucker. Ziel ist, dass wir eine gute Balance der Weine erreichen mit guter Struktur: puristisch, elegant, die Säure gut eingebunden, harmonisch. Unsere Pfälzer Rieslinge bezeichne ich gerne als männliche Balletttänzer, dynamisch, tanzend – im Vergleich zu Moselrieslingen, die ich für mich die Prima Ballerina der Weine sind. Unsere Pfälzer Rieslinge schmecken in der Regel kraftvoller ohne jedoch plump oder schwerfällig zu sein.

bonvinitas: Darf ich nach Ihren Terroirs fragen?

Steffen Christmann: In Ruppertsberg und Deidesheim wachsen die Reben auf Buntsandsteinböden, die elegante fruchtige Weine hervorbringen; in Gimmeldingen und Königsbach, wo es auch kühler ist haben wir Ton- und Kalkböden und erzeugen so mineralisch puristische Weine.

bonvinitas: Wie groß ist Ihr Weingut?

Steffen Christmann: Mit 22 Hektar sind wir eine größeres Familienweingut.

bonvinitas: Verraten Sie Qualitätsgeheimnisse?

Steffen Christmann: Es gibt eigentlich keine Geheimnisse. Das Wichtigste sind gesunde, vollreife Trauben von Reben die im Einklang mit ihrem Weinberg wachsen und keine zu hohen Erträge hervorbringen. Am Tag der Ernte hat man wenn man im Weinberg alles richtig gemacht hat 100 % der Qualität auf der Kelter. Im Keller kann man nur noch Qualität verschenken. Dennoch ist uns hier auch die schonende Verarbeitung und die Gärung mit den Spontanhefen wichtig.

bonvinitas: Wie beurteilen Sie den Jahrgang 2016?

Steffen Christmann: Er ist mit 2015 verwandt, etwas filigraner vielleicht. 2015 hatte mehr Fülle . Der Jahrgang lehrt uns wieder einmal, dass die Qualität in den letzten sechs bis acht Wochen vor der Ernte entsteht. Man muss deshalb die Ernte auf den Punkt einbringen können, weshalb wir eine sehr große Handlesermannschaft haben. Wichtig ist kühles, sonniges Herbstwetter.

bonvinitas: Wohin verkaufen Sie hauptsächlich Ihre Weine, wie hoch ist Ihr Exportanteil? 

Steffen Christmann: Unser Exportanteil liegt bei 40% in der ganzen Welt, von Australien über Asien, die USA, vor allem aber Europa. Seit 15 Jahren bieten wir unsere Großen Gewächse in Subskription an, so sind diese zumeist schon vor der Auslieferung verkauft. Es wäre gut, wenn sich die Weinbranche dahin bewegt, dass diese Weine auch gereift angeboten werden, so dass der Kunde sie kaufen kann, wenn sie optimal schmecken.

bonvinitas: Kommen wir zur Ihrer Eigenschaft als Präsident des VDP.Die Prädikatsweingüter. Was bedeutet Ihnen der VDP?

Steffen Christmann: Der VDP bildet einen ganz wesentlichen Faktor der Wiederauferstehung des deutschen Weins. In meiner Zeit als nun schon 10jähriger Präsident hat sich viel im deutschen Weinbau getan. Einen großen Teil davon hat der VDP angestoßen, insbesondere die Rückbesinnung auf die besonderen Weinberge und die klassischen Rebsorten. Der weltweite Export deutscher Spitzenweine wächst. Der deutsche Weinbau insgesamt muss sich wieder stärker auf die Herkünfte konzentrieren. Wir Winzer müssen Herkünfte als Marken entwickeln. Wenn andere Winzer, die nicht Mitglied bei uns sind, auch ihr Sortiment nach Guts-, Orts- und Lagenwein gliedern, freut uns das. So können die Konsumenten den deutschen Wein besser verstehen und eine Orientierung bekommen.

bonvinitas: Welche Ziele haben Sie mit dem VDP, wo sehen Sie ihn morgen?

Steffen Christmann: Im VDP müssen wir natürlich immer weiter an daran arbeiten noch besser zu werden und was wir erreicht haben muss noch intensiver kommuniziert werden. Wir arbeiten auch mit an einer herkunftsgeprägten Klassifikationen im deutschen Weinrecht für alle Erzeuger, um So den deutschen Wein insgesamt voranzubringen. Wir sind auf einem guten Weg.

bonvinitas: Wenn Sie einen Wunsch an „Brüssel“ hätten, welcher wäre das? 

Steffen Christmann: Ich denke, dass Brüssel mit der generellen Einführung des Ursprungsprinzips die richtige Richtung vorgibt. Manchmal wünscht man, dass dies alles schneller geht. Ein Vorbild sind für uns die DACs in Österreich und die AOCs in Frankreich die beide stärker von den Erzeugern beeinflusst werden und so auch schneller Entwicklungen vorantreiben können. 

bonvinitas: Zum Schluss die persönliche Frage für die Weinfreunde, was ist Ihr Lieblingswein und haben Sie eine besondere Empfehlung – wann und wozu?

Steffen Christmann: Ich liebe den Wein viel zu sehr, als dass ich mich auf einen Lieblingswein festlegen könnte. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, dann wäre es doch ein trockener Riesling, der – schmunzelnd gesagt – wie ich meine zu fast allem passt.

bonvinitas: Herr Christmann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
 
Die in Fachkreisen äußerst beliebte „véritable“ fand bereits zum siebten Mal statt, stets in den Räumen des Weinguts Alosiushof in St.Martin in der Pfalz, wo Uwe Warnecke knapp 90 Spitzenweingüter aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, der Schweiz und Portugal versammelt hatte. 
 
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