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Von dieser Traube werden Sie noch hören

Scheurebe wird 100 Jahre alt - Junge Weinpioniere entdecken das rheinhessische Gewächs neu

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Von Alice Gundlach  ·   11 Dezember 2015   ·   1102  
Aus der Scheurebe erzeugen immer mehr Winzer trockene Weine.Aus der Scheurebe erzeugen immer mehr Winzer trockene Weine.
Weine von der Scheurebe gelten bisher noch ein Geheimtipp. Zu ihrem 100. Geburtstag ist sie auf dem Weg zur Trendsorte.

 

Eine Aromasorte? Die sind doch out, oder? Ja, nicht unbedingt. Auf der einen Seite werden die heimischen Bukettsorten wie Huxelrebe, Muskat-Ottonel oder eben Scheurebe in Deutschland seit den späten 1980er Jahren tatsächlich immer weniger angebaut. Das hat damit zu tun, dass aus ihnen traditionell Süßweine hergestellt wurden, und diese sind bei den Weinliebhabern seitdem eben immer weniger gefragt.

Andererseits erfährt die ebenfalls aromatische, internationale Sorte Sauvignon Blanc seit geraumer Zeit einen regelrechten Hype – und zwar nicht nur als Wein aus Neuseeland oder Frankreich, sondern auch aus deutschen Anbaugebieten, allen voran aus der Pfalz. Der Unterschied: diese Sorte wird in aller Regel trocken ausgebaut. Denn trocken wollen die meisten ihren Wein nach wie vor haben – aber trotzdem dabei kräftige, gerne auch exotische Fruchtnoten.

 

Trockener Ausbau verhilft zu neuem Ansehen

Und hier kommt die Scheurebe ins Spiel. 1916 hatte sie der Rebenzüchter Georg Scheu in der damaligen Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey aus Riesling und Buketttraube gekreuzt – letztere ist wiederum ist eine Kreuzung als Silvaner und Trollinger. Ähnlich wie der Sauvignon verströmt die Rebsorte exotische Aromen, z.B. von Ananas, Mango, Honigmelone oder Johannisbeere. Seit mehreren Jahren nehmen deshalb immer mehr Winzer – insbesondere in Rheinhessen und der Pfalz – reinsortige, trocken ausgebaute Scheurebe ins Sortiment auf. „Viele junge Winzer pflanzen sie nicht nur neu an, sondern fragen auch gezielt bei älteren Kollegen nach alten Rebbeständen von Scheurebe nach“, weiß Bernd Kern, Geschäftsführer der Gebietsweinwerbung Rheinhessenwein. Auch dass sie sich für Sekt sehr gut eigne, hätten schon viele Erzeuger entdeckt.

Obwohl die Rebfläche für sie (noch) kontinuierlich schrumpft, steigt das Angebot der Winzerweine dieser Rebsorte. Wie das kommt, erklärt Bernd Wechsler, Leiter des Kompetenzzentrums Weinmarkt+Weinmarketing beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Oppenheim: „Nur 20 % der Erntemenge von Scheurebe kommt tatsächlich als Rebsorten-Wein 'Scheurebe' auf den Markt. Der Rest fließt in Cuvées, Perlwein, Traubensaft oder ähnliches. Seit 2007 stabilisieren sich aber die Anstellungsmengen von Scheurebe bei der Qualitätsweinprüfung. Bei den selbstvermarktenden Winzer gibt es sogar einen leichten Trend nach oben.“ Mit anderen Worten: Diese Sorte ist etwas für die Liebhaber von regionaltypischen, handwerklichen Weinen.

 

Haupt-Anbaugebiete feiern das Gewächs

2016 feiert die Sorte nun ihren 100. Geburtstag. Anlass genug für ihre beiden Hauptanbaugebiete, sie ein bisschen in den Vordergrund zu stellen. Rheinhessen, das im gleichen Jahr überdies sein 200-jähriges Jubiläum feiert, bietet mehrere Veranstaltungen zur Scheurebe an, z. B. den Scheurebe-Tag in Mainz, Oppenheim und Nieder-Olm am 26. August mit Verkostungen und Feiern. Auch auf der internationalen Weinmesse ProWein in Düsseldorf soll die Rebsorte am Rheinhessen-Stand in diesem Jahr groß rauskommen. In Rheinhessen sind derzeit rund 740 ha mit Scheurebe bestockt. Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Anbaufläche in Deutschland – aber andererseits nur ein Drittel der Fläche, die die Sorte dort 1989 belegte.   

Die Pfalzweinwerbung hat die Scheurebe zur „Rebsorte des Jahres 2016“ gekürt. Die Gebietsweinwerbung der Pfalz verweist dabei auf genussvolle Kombinationen von trockenen und halbtrockenen Weinen der Sorte mit aromatisch-würzigen Gerichten, etwa aus asiatischen Küchen, ebenso wie auf erfrischende Scheurebe-Sekte. In der Pfalz sind derzeit rund 350 h Rebfläche mit Scheurebe bestockt.

Diese Sorte sollte man also besonders im Auge haben – spätestens nach diesem Jahr wird man bestimmt auch überregional mehr von diesem Gewächs hören.

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Fotos: Faber & Partner


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