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Tolle Cocktails mit Edelbränden: Brand neu gemixt

der Schwarzwald und Deutschlands Südwestecke grüßen höherprozentig

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Von Dieter Simon  ·   15 November 2017   ·   551  
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Die Landschaft schmeckbar machen

Dass es in Baden-Württemberg gute Weine gibt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass es dort aber auch tolle Edelbrände gibt, dürfte hingegen weniger bekannt sein. Dass man aus diesen köstliche Cocktails herstellen kann, ist bis dato eher Neuland. Dieses unbekannte Terrain zu erobern, hat sich die „Schwarzwald Bar Brigade“ aufgemacht. Die Mitglieder dieser Vereinigung von Bartendern arbeiten in Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und der Ortenau. Sie haben die heimischen Spirituosen für sich entdeckt und räumen mit dem Vorurteil auf, dass Cocktails nur mit Rum, Gin, Wodka etc. hergestellt werden können. Sie wollen mit diesem Buch zeigen, welches Potenzial  für Cocktails in den heimischen Bränden und Geisten steckt. Sie haben eine Mission: Die Landschaft schmackhaft zu machen. Um dies zu verwirklichen suchten sie 21 Brenner, 1 Konfitüren-Manufaktur, 1 Sektkellerei 1 Brauerei und 2 Weingüter in den unterschiedlichsten Regionen des Landes auf, um mit deren Produkten schmackhafte Cocktails zu kreieren. Heraus kamen 55 neue, frische, überraschende Rezepturen, die das Herz eines jeden Cocktail-Liebhabers höher schlagen lassen.
 
Tolle Bilder, tolle Rezepte
Diese Kreationen werden in dem Buch „Brand neu gemixt“ nun einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Dass dieses Gaumenkitzel-Buch auch zu einem wahren Augenschmaus wird, dafür sorgen die wunderbaren Fotos von Baschi Bender. Egal ob großformatige Landschaftsaufnahmen oder spontane Fotos. Die Bilder sind mehr als nur eine Bereicherung des Buches: sie sind ein wesentlicher Teil. Doch nun zu dem eigentlichen fast 200 Seiten „Cocktail-Rezepte-Bilderbuch.
 
Altes und neues Handwerk
Bevor es zum eigentlichen Genuss geht, haben die Götter wie es so schön heißt den Schweiß gesetzt. In diesem Falle die Arbeit des Brennens und des Mixens. So wird im ersten Abschnitt das Handwerk des Brennens und der Begriff Abfindungs-  und Verschlussbrennerei näher erläutert. Danach folgt die Kunst der Cocktailherstellung. Der Leser erfährt, welche Utensilien, verschiedene Gläser und Grundzutaten dazu benötigt werden, und welche „Arbeitstechniken“ es in diesem Metier gibt. Dann geht’s ans Eingemachte - an die Rezepturen. Von Hohenlohe im Norden bis zum Bodensee im Süden werden insgesamt sechs Regionen vorgestellt. Jede hat ihren besonderen Reiz oder bestimmte Eigenart. Deshalb hat man vor jedes dieser Kapitel zwei Seiten gesetzt in der die Landschaft kurz vorgestellt wird. Anschließend folgt, ebenfalls auf zwei Seiten, ein Kurzportrait der Produzenten und deren Erzeugnisse.
 
Geschüttelt und gerührt
Jeweils zwei Produkte eines jeden Erzeugers werden dann zu Cocktails verarbeitet. Dies geschieht pro Cocktail auf jeweils einer Doppelseite. Die rechte Hälfte zeigt das Endergebnis als Foto. Die linke ist der Rezeptur vorbehalten. Dies sieht wie folgt aus:
 
Da jeder Cocktail einen Namen haben sollte, steht dieser immer links oben, groß und gut lesbar. Dann folgt der Name des Hauptprodukts, welches zum Cocktail verarbeitet werden soll. Welches Glas, die weiteren Zutaten und die Art der Garnierung stehen darunter. Die Infos ob mit oder ohne Eis serviert wird und welche Werkzeuge man braucht, dürfen natürlich nicht fehlen. Des Weiteren sind mittig in Goldschrift und Großbuchstaben die jeweiligen Leitsprüche der Erzeuger festgehalten und darunter dann die Zubereitung des Produktes. Besonders wichtig und informativ fand ich die unter dem Begriff: Des Cocktails Kern eingefasste Beschreibung der Brände. Dort wird deutlich gemacht, in welcher Art und Weise die verschiedenen Inhaltsstoffe miteinander harmonieren. Wie dies aussieht, zeigt folgendes Beispiel. Für den Cocktail nimmt man einem im Holzfass gelagerten Walnussgeist. In diesen gibt man Likör 43, Lime Cordial homenade und Champagner brut. Alle Zutaten gibt man in ein Rührglas, füllt dieses mit Eiswürfel und rührt das Ganze ca. 25 Sekunden kalt. Dann seiht man die Flüssigkeit in den Cocktailkelch ab und füllt mit Champagner auf. Als Garnitur dient eine halbe Walnuss, die man  mit einen Tropfen Honig am Glasrand fixiert. Auf selbige streut man eine Brise Vanillezucker. Dieser wird mit einem Bunsenbrenner karamellisiert. Fertig ist der Cocktail KOPF-NUSS.
 
Zaubertränke
Auf diese Art und Weise entstehen interessante, wohlschmeckende Mixgetränke mit den lustigen sowie exotischen Namen  Kaiser Franz, Glüh-Birne oder Alb-Geflüster. Unter dem Namen Frey-Bier verbirgt sich sogar ein Cocktail auf der Grundlage von Starkbier oder unter „White Rabbit“ einer auf der Basis von Weißburgunder. Es macht einen Heidenspaß, sich durch diese Rezepturen zu arbeiten und sich vorzustellen, wie dies alles schmecken könnte. Im Geist sieht man sich selbst schon mit dem Shaker in der Hand kräftig schütteln. Selten hat mich ein Buch dieses Genres so inspiriert und mir Lust gemacht aufs Ausprobieren. Wer hätte das gedacht. Dass man aus Obstbränden auch Zaubertränke machen kann.
 
Fazit: Sehr empfehlenswert nicht nur für Spirituosenliebhaber.
 
Rezension: Horst Kröber; Coverfoto: PR Verlag
 
Brand neu gemixt
von Domenico Termine, Friedrich Springob, Roman Koffer
Verlag Eugen Ulmer 2017
Hardcover, 192 S., 259 Farbfotos
ISBN: 978-3-80001-0390-4
gedruckt 29,90 Euro; E-Book 22,90 Euro
 
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