Die kleine Weinreise: in die Pfalz

Weinhotels, Weingüter mit Gästebetten, Genießen und Weinproben

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Von Dieter Simon  ·   24 Januar 2017   ·   3638  
Blick auf Birkweiler mit Mandelblüte. Foto: Südliche Weinstraße, Stefanie PapponBlick auf Birkweiler mit Mandelblüte. Foto: Südliche Weinstraße, Stefanie Pappon
Malerische Dorfstraße in St. Martin. Foto: Thomas Haltner, Südliche Weinstrasse e.V.Malerische Dorfstraße in St. Martin. Foto: Thomas Haltner, Südliche Weinstrasse e.V.
Der Weinort Gleisweiler. Foto: Karheinz Schmeckenbecher, Südliche Weinstrasse e.V.Der Weinort Gleisweiler. Foto: Karheinz Schmeckenbecher, Südliche Weinstrasse e.V.
Es macht immer Spaß, kurz auszuspannen. Und was wäre dazu schöner, als eine Weinregion? Gerade im Frühjahr empfiehlt sich die Pfalz mit Ihrer großen Weinkultur. Wer dann noch die Mandelblüte erlebt, wird sich gerne erinnern. Die Pfalz mit ihren malerischen Weinörtchen, die sich zwischen die Rebhänge schmiegen, mit den vielen Weingütern und Weinstuben, ist eine Reise wert, und es gibt wahrlich viel zu erleben und bestaunen:
 
 
 
Der Pfälzer Wein
Mit 23.500 Hektar Rebfläche ist die Pfalz das zweitgrößte deutsche Weinbaugebiet. Jede dritte Flasche deutschen Weins kommt aus der Pfalz. Die wichtigste Pfälzer Sorte ist Riesling mit einem Anteil von 23%. Seit 2008 darf sich die Pfalz mit rund 5.600 Hektar sogar das größte Riesling-Anbaugebiet der Welt nennen. Viele Weingüter haben sich mit erstklassigen Qualitäten und zahlreichen Auszeichnungen einen Namen gemacht, der weit über die Pfalz hinaus in die Welt strahlt, was sich auch in unseren eigenen bonvinitas-Weinbewertungen widerspiegelt und in unserem Weinführer findet. Natürlich gehört bei einer Reise in die Pfalz eine Weinprobe dazu, im Weingut beim Erzeuger. Dort kann man echte „Winzerluft“ schnuppern und lernt außerdem noch manches besser verstehen rund um das Winzerleben und den Wein. 
 
 
Lassen wir Winzer zu Wort kommen:
Timo Erlenwein, Weingut Erlenwein, mit nächstem Nachwuchs. Foto: PRTimo Erlenwein, Weingut Erlenwein, mit nächstem Nachwuchs. Foto: PR
Christian Estelmann, Weingut Wamsganss. Foto: Armin FaberChristian Estelmann, Weingut Wamsganss. Foto: Armin Faber
VDP Weingut Müller-Catoir, Betriebsleiter und Kellermeister Martin Franzen (links) und Philipp David Catoir. Foto: PRVDP Weingut Müller-Catoir, Betriebsleiter und Kellermeister Martin Franzen (links) und Philipp David Catoir. Foto: PR
Timo Erlenwein, Weingut Erlenwein, Ilbesheim:Insbesondere die vielfach angebauten weißen Burgundersorten Weiß- und Grauburgunder treffen den Geschmack vieler Weinfreunde, sowie auch Chardonnay. Vor allem von Kalkböden überzeugen sie durch mildere Säure. Wir spüren einen neuen Trend zu Bukettsorten wie Muskateller und Sauvignon blanc. Viele Weinfreunde mögen Bukett aber nicht zuviel Alkohol. in unserem Weingut können wir insbesondere mit Riesling punkten und interessante Varianten bieten mit verschiedenen Terroirs, wie Muschelkalk, Keuper, Schiefer. Die Weine zeigen sich sehr finessenreich und eben nicht zu schwer.
 
Christian Estelmann, Weingut Wambsganss, Landau-Nußdorf:Die Generation vor uns hat die kommenden Nachfolger zunächst in alle Welt gejagt, um im Ausland Erfahrungen zu sammeln und zu lernen. Diese übernehmen nun die Betriebe, und man spürt bei den Weinen eine breite Entwicklung ins Positive. Bei uns legen wir Wert darauf, dass die Weine Spaß machen und nicht zu schwer werden. Wir haben eine Lagen-Linie, bei der wir speziell die Terroirs herausarbeiten, Weißburgunder gewachsen auf Kalkboden oder Löss, Grauburgunder auf Kalkböden und Riesling auf Buntsandstein und Löss.“ 
 
Martin Franzen, Betriebsleiter und Kellermeister im VDP Weingut Müller-Catoir in Haardt, Mittelhaardt Deutsche Weinstraße:Die Pfalz bietet die besondere Möglichkeit, die reife und warme Frucht der Trauben mit der geschmacklichen Stilistik von kühlem Ausbau zu kombinieren. So kann man mit der Eleganz der Weine spielen. Man muss sich nicht um die Reife der Trauben sorgen. Zugleich bildet der Abbruch des Pfälzer Walds zur Rheinebene hin mit seinen Urgesteins- und Buntsandsteinböden ein großartiges Terroir mit viel Potenzial. Dies wurde wieder entdeckt, und die Pfälzer Winzer sind dabei, es weiter nach vorne zu bringen. Bei unseren Weinen pflegen wir insbesondere die Eleganz und den Finessenreichtum. Es gilt die Reife der Trauben abzufangen und in Eleganz zu überführen. Damit erhalten die Weine zusätzlich ein hohes Potenzial für eine wunderbare Reifung über viele Jahre.“
 
 
Uralte Weinkultur und andere „Rekorde“
Die Pfalz bietet den ältesten Wein der Welt: Eine aus dem 3. Jahrhundert n. Christus datierte Flasche, die einem römischen Legionär ins Grab gelegt wurde und heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu bestaunen ist. Der älteste noch tragende Weinberg, datiert von etwa 1650, liegt in den Reben von Rhodt. Das höchste je gemessene Mostgewicht von 326 Grad Oechsle sorgte dafür, dass aus dem Most nie Wein wurde, weil sich der Most dann selbst konservierte.
 
Der berühmte Saumagen mit Pfälzer Schoppenglas, 0,5 Liter. Foto: Faber & PartnerDer berühmte Saumagen mit Pfälzer Schoppenglas, 0,5 Liter. Foto: Faber & Partner
Das Rathaus in Deidesheim. Foto: PixabayDas Rathaus in Deidesheim. Foto: Pixabay
Der Pfälzer Schoppen
Das schmucklos-einfache Glas selbst in der Form eines Rohrs taugt kaum als Erklärung für seine vielen Freunde. Es kommt eben auf die inneren Werte an. Ein halber Liter passt rein, und das macht den Schoppen, auch Weinstange genannt, zum Inbegriff für den volkstümlichen Wein(fest)genuss. So bietet die Pfalz, wo der Schoppen noch ein echter halber Liter ist, doppelten Spaß. Denn woanders bekommt man ein Viertel, wenn man einen Schoppen bestellt. Seine Anhänger haben ihm sogar ein Denkmal gesetzt: »Pfälzer Schoppen – Maß aller Dinge« wird unbescheiden in Maikammer verkündet. Und als vor Jahren versucht wurde, die Pfälzer Weinwährung auf 0,4 Liter abzuwerten, gründeten ihre Fans flugs und mit Erfolg die »Schoppenkämpferrunde«. Außerdem birgt der Schoppen soziale Qualitäten, denn Weingenuss im Schoppentakt ist ein regionales Gesellschaftsspiel, bei dem sich mehrere Personen ein Glas teilen. 
 
Der berühmte Saumagen
Die typische Begegnung eines "Außer-Pfälzischen" mit dem Pfälzer "Nationalgericht" beginnt oft mit einem verdrucksten Eingeständnis: Man habe den Saumagen eigentlich immer schon probieren wollen, sich aber bisher nicht getraut. Wer sich nicht abschrecken lässt und die Pfälzer Leibspeise probiert, wird meist zum Saumagen-Liebhaber. So versenden Pfälzer Metzger den Saumagen in alle Welt. Sogar in einem japanischen Comic-Buch, einem Manga, ist er gelandet. Dies hätten sich die Bauersleute aus dem Westrich nicht träumen lassen, als sie vor etwa 300 Jahren Kartoffeln in Würfel schnitten, um sie zusammen mit Fleischstückchen und allerlei Gewürzen in fein gesäuberte Schweinemägen zu stopfen und das Ganze stundenlang in heißem Wasser zu garen. Der Saumagen war geboren, einst ein Arme-Leute-Essen. Zu verdanken ist seine heutige Bekanntheit vor allem Bundeskanzler Helmut Kohl, der Staatsgästen gerne seine Heimat im kulturell-kulinarischen Dreiklang vorführte: Dem Dom in Speyer, dem malerischem Weinort Deidesheim und eben dem Saumagen. Längst ist der Saumagen auch in der feinen Küche angekommen. Kreative Köche haben viele Variationen erfunden, wie getrüffelte Milchferkelmagen, mit Esskastanien gefüllten Saumagen, Saumagen-Carpacchio und vieles mehr.
 
Kultur
Der Dom zu Speyer, UNESCO Weltkukturerbe. Foto: PixabayDer Dom zu Speyer, UNESCO Weltkukturerbe. Foto: Pixabay
Das geschichtsträchtige Hambacher Schloss. Foto: PixabayDas geschichtsträchtige Hambacher Schloss. Foto: Pixabay

Der Dom zu Speyer mit der Grablege vieler mittelalterlicher deutscher Kaiser zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Im Musikantenlandmuseum bei Kusel sind die größte und kleinste Tuba der Welt zu bestaunen. Im 19. Jahrhundert waren mehr als 2.000 Wandermusiker aus der Westpfalz mit Tuba und anderen Instrumenten weltweit unterwegs. Auch einige bekannte Namen aus der Welt der Oper sind untrennbar mit der Pfalz verknüpft, beispielsweise Erika Köth und Fritz Wunderlich, ebenso wie Maler, allen voran der Impressionist Max Slevogt und der Expressionist Otto Dill.
 
Viele Burgen und Schlösser
Auf der Burg Trifels bei Annweiler wurden im 12. und 13. Jahrhundert die Reichskleinodien, wie die deutsche Kaiserkrone, aufbewahrt. Die Originale werden heute in Wien verwahrt, auf Trifels kann man aber gute Nachbildungen bewundern. 1193/94 hielt man dort sogar den englischen König Richard Löwenherz gefangen. Das Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße ging 1832 in die Geschichte ein: 30.000 Menschen, darunter auch Freiheitskämpfer aus Frankreich und Polen, zogen mit schwarz-rot-goldenen Fahnen den Burgberg hinauf und demonstrierten für Freiheit, Bürgerrechte und nationale Einheit. Seitdem gilt das Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie.

Rund 500 einstige Burgen zeugen davon, dass die Pfalz im Mittelalter ein Zentrum kaiserlicher und königlicher Macht war. Viele Gemäuer sind noch heute als ansehnliche Ruinen erhalten. Zu den größten Burganlagen im deutschsprachigen Raum gehören die Burg Lichtenberg bei Kusel und die Hardenburg bei Bad Dürkheim. Die Burg Lichtenberg erstreckt sich auf eine Länge von 425 Metern und wurde nie erobert oder zerstört. Heute beherbergen ihre Mauern drei Museen, eine Jugendherberge und ein Burgrestaurant. Im Zeitalter der Renaissance wurde die Hardenburg zu einem festungsähnlichen Schloss mit Lustgarten ausgebaut und gehörte damals zu den bedeutendsten Anlagen dieser Art in Deutschland.
 
Der Pfälzer Wald mit seinen bizarren Felstürmen. Foto: PixabayDer Pfälzer Wald mit seinen bizarren Felstürmen. Foto: PixabayDer Pfälzer Wald
Der Pfälzer Wald bildet das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Auf den Wanderer warten 12.000 Kilometer Wanderwege und mehr als 100 Hütten. Kletterbegeisterte finden in den bizarren natürlichen Felsformationen und Felstürmen ungewöhnliche Herausforderungen. 
 
Der Holiday Park in Haßloch
In einem der größten deutschen Freizeit-Parks können sich Mutige nicht nur vom 70 Meter hohen Free-Fall-Tower – dem ersten derartigen Turm in Europa – in die Tiefe stürzen, sondern auch eine spektakuläre Achterbahn fahren: Die »Expedition Ge-Force« ist 1,3 Kilometer lang und schon mehrfach zur besten Achterbahn der Welt gewählt worden.
 
Weinstuben, Weinhotels, Weingüter mit Gästezimmern
Nach all dem möchte man am liebsten gleich in die nächstschönste Weinstube einkehren und den traditionellen Saumagen genießen. Viele Winzer bieten Gästezimmer und Ferienwohnungen, so dass man gleich an der Quelle wohnt. Ja, es gibt sogar Weingüter mit richtigen Weinhotels.
 
Weingut und Weinhotel Fritz Walter in Niederhorbach. Foto: Klaus Lorke.Weingut und Weinhotel Fritz Walter in Niederhorbach. Foto: Klaus Lorke.
Im Weingut und Weinhotel Schreieck in St.Martin. Foto: Thomas H. Lerch.Im Weingut und Weinhotel Schreieck in St.Martin. Foto: Thomas H. Lerch.
 
Besonders bequem sind Pauschalangebote. Eines davon bietet zum Beispiel das Weingut Fritz Walter in Niederhorbach mit der auffallenden Namensgleichheit mit dem legendären Fußballspieler, der ebenso aus der Pfalz stammte. Im zugehörigen Hotel kann man alles zusammen genießen, zum Beispiel das Pauschalangebot „Schlemmen & Schlummern“ mit zwei Nächten, reichhaltigem Frühstück, Keller- und Weinbergführung, Weinprobe und je einem guten Menü am Abend. Ein Weinrestaurant für den Besuch nur zum Genießen gibt es ohnehin.
 
Ebenso interessant ist das Weingut Schreieck im besonders malerischen St.Martin gleichfalls mit Hotel. Dies bietet zum Beispiel ein „Mandelblüten-Arrangement“ mit drei Nächten, einem Mandelblütenmenü, einer besprochener Weinprobe mit Pfälzer Köstlichkeiten und Kellerführung, sogar Saunanutzung inklusive.
 
Text: Dieter Simon, Herausgeber und Chefredakteur bonvinitas; Quelle: www.pfalz.de 
 



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