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Wie Musik im Glas: Sekt. Viel Interessantes über Sekt – die Weltneuheit Muscarissekt

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Von Horst Kröber  2909  
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Wie Musik im Glas: Sekt. Foto: bonvinitasWie Musik im Glas: Sekt. Foto: bonvinitas

Und andere schöne Tropfen ... Was ist es, was das Schöne noch schöner macht und das Unangenehme erträglicher? Was ist es, was durch seine Frische und Lebendigkeit und sein Prickeln erotisiert, verführt und verzaubert. Sekt!

„Lasst den Schaum zum Himmel spritzen, dieses Glas dem guten Geist…“, dichtet Schiller in seiner Ode „An die Freude“ durch Beethoven in seiner Neunten wunderbar vertont. Mozart widmet diesem schäumenden Lebenselexier in seiner Oper Don Giovanni eine eigene „Champagnerarie“, die von Sören Kierkegaard als Form von „lyrischer Herzensergießung“ interpretiert und wie folgt beschrieben wird: „Der schäumende Wein, die fernen Festklänge der Musik, alles vereinigt sich, um Don Juans Stimmung zu potenzieren, sowie denn seine eigne festliche Haltung ein gesteigertes Licht über die ganze Genussszene verbreitet. Geradeso ist sein Leben, brausend und schäumend, wie Champagner im Kelche. Und sowie in diesem Weine, während er in innerer Glut siedet, die Perlen, tonreich in ihrer eignen Melodie, emporsteigen und immer aufs Neue emporsteigen: also tönt in der elementarischen Wallung, aus welcher sein Leben besteht, die sinnliche Lust des Genusses wider.“

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Was für den Champagner gilt, gilt natürlich gleichermaßen auch für den Sekt. Stimmung potenzieren, Lust verbreiten, Freude schenken, Hochgefühle erleben; all das verbindet man mit dem Genuss eines guten Sektes. Sekt ist Musik im Glas. Damit meine ich jetzt nicht diese feucht, fröhlichen Schunkellieder, die oft grölend Männlein und Weiblein in mehr als leicht erheiterndem Zustand von sich geben, sondern wie die Musik mit Sekt in Verbindung gebracht werden kann. Wenn man sich die Kritiken von Opern- oder Konzertaufführungen anschaut, tauchen dort Vokabeln auf, die auch als Beschreibung für manche Sekte gelten können. „Überaus fein gearbeitet“, „erotisch, exotischer Klang“, „geschmeidig und elegant“, „lustvoll und sinnlich“, „üppig und gehaltvoll“ sind nur einige wenige Beispiele dafür.

Deutsche Weltmeister im Schaumweintrinken

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  • Etikett Bozen
  • Etikett Schales
Bevor wir herausfinden, welche Musik zu welchem Sekt passt, ein kleiner Exkurs zum Sekt überhaupt. Die Deutschen sollten eigentlich wissen was sie trinken denn schließlich sind sie die Weltmeister im Schaumweintrinken. Von den rund zwei Milliarden Flaschen Sekt, die weltweit erzeugt werden, trinken die Deutschen rund 450 Millionen Flaschen. Doch welcher Verbraucher findet sich in dem Wirrwarr von Billigsekten und verschiedenen Begriffen wie brut, extra trocken, Flaschengärung, Crémant denn noch zurecht. Was macht die Qualität eines Sekts aus? Worauf sollte man achten? Wichtig sind die Herkunft und Qualität des Grundweines und die Art der Sektherstellung. Über 90 % aller Sekte werden im Tankgärverfahren hergestellt. Dieses erfordert die wenigsten Arbeitsschritte und ist in der Regel das gängige Verfahren aller führenden Sekthersteller. Damit wollen wir uns nicht beschäftigen, da man bei dieser Herstellungsmethode kaum Sekte mit eigenem Charakter und eigener Strahlkraft herstellen kann.

Sekt oder Champagner? Wie gute Tropfen entstehen

Die qualitativ hochwertigsten Sekte entstehen erst durch die aufwendige, traditionelle Flaschengärung. Nach dieser Methode werden auch die Champagner hergestellt. Seit dem Friedensvertrag von Versailles 1919 (Champagnerparagraf) müssen deutsche Produzenten allerdings auf die Bezeichnung Champagner verzichten. Der Begriff ist der Champagne vorbehalten. Schaumweine nach der „Methode Champenoise“ aus anderen Anbaugebieten werden unter der Bezeichnung „Crémant“ angeboten. Bei der traditionellen Flaschengärung erfolgt die Gärung in der Originalflasche. Die Lagerzeit auf der Hefe ist vom Weingesetz vorgeschrieben und beträgt mindestens 9 Monate. Auch die Gesamt-Herstelldauer ist weinrechtlich festgelegt. Sie gibt an, wie lange der Hersteller den Sekt lagern muss, bevor er in den Handel gelangen darf. Nach dieser Methode hergestellte Sekte kommen in Deutschland oft als Winzersekte in kleinen Mengen in den Handel. Es handelt sich stets um Sekt b.A, das heißt Sekt eines bestimmten Anbaugebiets, zum Beispiel aus Baden. Winzersekt ist das individuelle Erzeugnis des jeweiligen Winzers bzw. einer Genossenschaft. 100 % der Trauben müssen aus dem eigenen Betrieb kommen. Sie werden in den verschiedensten Geschmacksrichtungen, von extra brut (Zuckergehalt weniger als 6 g/l) bis süß (Zuckergehalt höher als 50 g/l) angeboten. Ein paar klassische Vertreter dieses Genres aus Baden, welche höchsten Ansprüchen genügen und mit ihrem individuellen Charakter überzeugen, sind hier beispielhaft zu manch anderen guten Sekten genannt.

Weltneuheit Muscarissekt

Der Muscarissekt und zwei andere gute Tropfen aus Baden. Foto: Horst KröberDer Muscarissekt und zwei andere gute Tropfen aus Baden. Foto: Horst KröberBeginnen wir mit einem Sekt, der laut Aussage seines Erzeugers eine „Weltneuheit“ darstellt. Zum ersten Mal wurde ein Sekt in Flaschengärung aus der Rebsorte Muscaris in der Geschmacksrichtung brut hergestellt. Die Winzergenossenschaft Ettenheim präsentierte ihn in einer kleinen Feierstunde. Die Rebsorte Muscaris (eine Kreuzung zwischen Solaris und Muskateller) gehört zu der Gruppe der PiWis. Darunter versteht man Rebsorten deren Pilzwiderstandsfähigkeit deutlich über denen konventioneller Rebsorten liegt und bei denen man demzufolge nur 1 bis 2 Pflanzenschutzbehandlungen durchzuführen braucht. Sensationell sein Geschmacksbild. Frische und Lebendigkeit. Das feine Mousseux katapultiert regelrecht die Fruchtaromen von Holunderblüte und Rosen in die Nase. Eigentlich suggeriert der Duft, dass darauf ein süßer Geschmack folgen müsste. Dem ist aber nicht so. Mit knapp 15 g/l Restsüße präsentiert sich dieser handgerüttelte Sekt sehr animierend, fast ein wenig provokant. Die Fruchtaromen, gepaart mit herben Komponenten wie Quitte und Kumquat, wirken belebend und die erdigen Nuancen nach frischem Getreide, hervorgerufen durch das einjährige Hefelager sorgen für die nötige Bodenhaftung. Kein kurzer Streifzug sondern ein lang anhaltender Nachhall unterstreicht die Güte des Sektes. Unweigerlich kommt mir dabei die Ouvertüre von Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ in den Sinn. Aberwitziges Versteckspiel, erotische Verwicklungen, atemlos, in ständig in Bewegung, kaum Zeit zum Verschnaufen. Dieser Muscarissekt, ein liebenswerter Irwisch, bei dem man vor Überraschungen nie sicher sein kann.

Charisma vom Weingut Lothar Schwörer

Ganz anders der Sekt Charisma vom Weingut Lothar Schwörer aus Kippenheim-Schmieheim. Dicht und von enormer Fülle. Leichter Schmelz, wunderbar zartbittre Fruchtkomponenten nach Quitte, Hagebutte und Banane. Dann folgen erdige Aromen nach Nuss, und Stroh. Ganz spät gesellen sich Nuancen von reifem Apfel und Birne hinzu. Wahrlich kein Leichtgewicht. Tiefgründiges Philosophieren, ergründen wollen, zum Kern vordringen. Dunkel und rhythmisch höre ich die Töne. Peer Gynt wähnt sich tief im Berg in einer Höhle, „In der Halle des Bergkönigs“. Die Töne in Moll gehalten rollen heran - Celli und Fagotte langsam wie dunkles Berggrollen. Die Musik wird zunehmend lauter, melodischer, intensiver, schneller. Das Tempo steigert sich allmählich zu einem Prestissimo. Trolle jagen umher. Man kann sich dieser Musik von Edvard Grieg nicht entziehen, sie hat wie der Sekt etwas Mystisches, etwas Geheimnisvolles. Wir bewegen uns im Takt der Musik und bevor wir in Trance verfallen und Peer Gynt die Höhle verlässt, ist das Glas leer.

Pinot Noir Sekt vom Wein- und Sektgut Weber

Der Dritte im Bunde ist ein Pinot Noirs Sekt vom Wein und Sektgut Weber aus Ettenheim. Hierbei möchte ich gerne die Klassik verlassen, denn bei dem Sekt mit seiner provokanten Art, seiner Frische und Unkompliziertheit, seinen Aromen nach Grapefruit und Stachelbeere, Rhabarber und Apfel geht die Post ab. Hier sind keine dunklen Töne die im Vordergrund stehen, auch wenig erdige Momente. Helle Farbtupfer die mich zwar ein wenig an die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte erinnern, aber noch mehr an Penny Lane, diesen Song von den Beatles, komponiert von dem genialen Duo Paul McCartney und John Lennon. Der prägnante Trompetenpart, gespielt auf einer Piccolotrompete unterstreicht die hellen Noten dieses Sektes. Die Lebhaftigkeit des Sektes ist dem pulsierenden Leben ähnlich, das sich auf dieser Penny Lane abspielt und sich in der Musik widerspiegelt. Lustige Momente und Begebenheiten. Sommer, in einem Straßencafe sitzen und das Leben auf sich regnen lassen; und wir mitten drin.

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