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Das Wuchern der Wörter im Wein

Satirisches Büchlein von Stefan Pflaum

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Von Horst Kröber  1422  
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Das Wuchern der Wörter im WeinDas Wuchern der Wörter im Wein

Ich weiß nicht, ob es dem Autor Stefan Pflaum gefällt, wenn man sein kleines, 120 Seiten starkes Büchlein, mit dem gleichen Adjektiv bezeichnet wie einen wohlschmeckenden Wein: nämlich als köstlich. Sein Streifzug durch die Weinwortlandschaft ist sowohl lehrreich als auch amüsant, ist gespickt mit viel ironischen und sarkastischen Anmerkungen, kleinen Weis- und Wahrheiten, skurrilen Einfällen und feinem geistreichen Humor, der nie zotig daherkommt sondern sich auf dem Niveau bewegt, der dem Leser ein ständiges leichtes Grinsen ins Gesicht zaubert. Pflaum kann mit Worten umgehen, er drechselt nicht, sondern bringt es auf den Punkt. Schon in seinem Vorwort wird deutlich, auf was es ihm ankommt. Er möchte nicht belehren, sondern aufmerksam machen, möchte nicht den Zeigefinger heben, sondern hinterfragen. Letzteres kann auch manchmal mit einem Bloßstellen enden, wenn er in unnachahmlicher Art unter der Überschrift „Adjektive“ die Weinbeschreibungen aufs Korn nimmt und diese als „Wörterindustrie, die sich zu verselbständigen droht“ bezeichnet oder in einem anderen Kapitel hinterfragt, ob es überhaupt ein objektives Urteil bezüglich Weinbeurteilung gibt.

  • Etikett Wilhelmshof
  • Etikett Bozen
  • Etikett Schales

Ein feiner Spötter im Sinne von Karl Kraus oder Tucholsky, nie bösartig aber immer den Finger in die Wunde legend, aber so, dass am Schluss immer noch ein Schmunzeln übrig bleibt, wenn „Die Herren an den Gasthaustischen“ sich probierend über einen edelsüßen Wein hermachen, ihn sezieren und dieser letztlich als Feldgemüse endet.

Regelrecht visionär sind seine Gedanken, wenn er uns erläutert, wie der römische Weingott Bacchus in der heutigen Zeit aussehen könnte und uns diesen vorstellt als: Sommelier, Dreisterne- Restaurant- und Hotelbesitzer, Winzer und Großunternehmer, der in der Welt umher jetet, sich mit den Großen der Welt trifft, ein Joint-Venture Abkommen mit Angelina Jolie und Brad Pitt und deren Weingut abgeschlossen hat und mit Anna Netrebko in der Loge beim Wiener Opernball einen Jahrgangs-Champagner zu sich nimmt. Leiser und feinsinniger wird er, wenn es um die Beschreibung von Rebsorten geht. So beim Riesling:

Auf unzulänglichen Terrassen,
wo die Mosel still mäandert,
durch die Steilterrassen wandert,
schwere Lagen aufgeschichtet,
ganz nach Süden ausgerichtet,
an Saar-Ruwer bis zum Rhein,
im Rheingau ganz besonders fein,
werden Rieslinge gezogen.

Voller Witz sind auch seine Ausführungen auf dem Wein und Essen, sowie seine kurzen Texte zum Schraubverschluss, Terroir, oder dem Weinglas an und für sich. Bei ihm streiten sich Gaumen, Mund und Nase um am Ende doch „im Ungefähren zu bleiben“. Am Schluss schwingt ein kleines Stück Melancholie mit wenn er beschreibt wie der Wein schmecken soll, den er gerne trinken möchte:

Wenn er ganz ohne großes Wein-Getue
unter dem Nussbaum in der Abendruhe
mit schöner Säure, fruchtig frisch und leicht
geschmacklich diesem Frühlingsabend gleicht,
dort unterm Nussbaum vor dem Haus zu zweien
dann hat er seinen Weine-Zweck erreicht.

Ich möchte einen ganz einfachen Wein,
er sollte einfach einfach sein – und gut und fein.

Und so liest sich der Rücktitel:

Es streiten Gaumen, Mund und Nase,
immer wieder alle drei,
sich in jeder Probephase,
wessen Urteil über einen Wein
denn nun entscheidend sei.

Es streiten Nase, Mund und Gaumen
über dies und das im Wein.
Ist’s Vanille, sind es Pflaumen,
hat er zu viel Körper, oder
könnt’s auch zu viel Süße sein?

Es streiten Nase, Gaumen, Mund
der Sommeliers und Sommelièren.
Die Urteile sind kunterbunt,
von „säurearm“ bis „kirschig-frisch“ –
und bleiben doch im Ungefähren.

Lahr Verlag; 120 Seiten; 19,80 €

Rezension: Horst Kröber;

 

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Fotos: Horst Künstle 


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