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Interview mit Günther Jauch, Besitzer Weingut von Othegraven

in Kanzem an der Saar mit Weinbergen in der längsten zusammenhängenden Steillage Europas

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Von  3006  
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Der bekannte TV-Moderator Günther Jauch, Besitzer des Weinguts von Othegraven in Kanzem an der Saar.Der bekannte TV-Moderator Günther Jauch, Besitzer des Weinguts von Othegraven in Kanzem an der Saar.
Der bekannte TV-Moderator, Günther Jauch, besitzt zusammen mit seiner Ehefrau Thea das VDP Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar. bonvinitas traf Herrn Jauch im Rahmen der „véritable 2018“, der nach deren Bekunden schönsten Weinfachmesse Deutschlands, am 2.7.2018 in St.Martin in der Pfalz, und konnte dieses Gespräch führen:
 
Das Gutshaus des Weinguts von Othegraven in Kanzem an der Saar. Das Gutshaus des Weinguts von Othegraven in Kanzem an der Saar. bonvinitas: Herr Jauch, wie sind sie zum Weingutsbesitzer geworden?
Günther Jauch: Von Othegraven befindet sich seit 1805 im Familienbesitz. Als Kind war ich oft auf dem Weingut bei meinem Großonkel, Max von Othegraven. Nach dessen Tod, da war ich zwölf Jahre alt, führte seine Ehefrau das Gut weiter. Die Ehe blieb kinderlos, und so hat meine Großtante dann ihre Nichte, Dr. Heidi Kegel, adoptiert. Sie erbte das Gut 1995. Von ihr konnte ich es dann vor acht Jahren kaufen und wieder in die direkte Familienlinie bringen.
 
bonvinitas: Wie groß ist ihr Weingut?
Günther Jauch: 16 ha
 
bonvinitas: Was sind Ihre Hauptsorten und typischen Weine?
Günther Jauch: 100 % Riesling.
 
bonvinitas: Würden Sie bitte etwas zu ihren Terrois sagen?
Die Lage Kanzemer Altenberg, die als längste zusammenhängende Steillage Europas gilt. Unten das Gutshaus.Die Lage Kanzemer Altenberg, die als längste zusammenhängende Steillage Europas gilt. Unten das Gutshaus.Der optimale Boden im Altenberg: Schiefergestein mit Eisenoxyd-Anteilen, daher die rötliche Färbung.Der optimale Boden im Altenberg: Schiefergestein mit Eisenoxyd-Anteilen, daher die rötliche Färbung.
Günther Jauch: Das sind die klassischen Schieferböden der Saar, im Altenberg dazu mit Eisenoxyd-Anteilen, die dem Schiefer statt des üblichen Graus, eine rötliche Färbung verleihen. Der Altenberg ist übrigens Europas längste zusammenhängender Steillage mit einem Steilheitsgrad von 66 % und dazu noch nach Süden ausgerichtet. Dort ist ausschließlich Handarbeit möglich, und keine unserer Lagen wird künstlich bewässert.
 
bonvinitas: Sie sind Mitglied des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter, VDP. So wurden Ihre Lagen verbandsintern klassifiziert. Wie lauten ihre 'Großen Lagen'?
Günther Jauch: Das Weingut war Gründungsmitglied des VDP beziehungsweise des Vorläufers, des Verbands Deutscher Naturweinversteigerer. Wir haben ausschließlich VDP-klassifizierte 'Große Lagen' und zwar im Kanzemer Altenberg, in der Wiltinger Kupp, im Ockfener Bockstein sowie im Wawerner Herrenberg.
 
bonvinitas: Wie alt sind Ihre Reben?
Günther Jauch: Leider wurde Ende des Zweiten Weltkriegs in der Gegend gekämpft, so dass durch Kriegseinflüsse vieles zerstört wurde, und einige Weinberge neu angelegt werden mussten. So gehen unsere ältesten Reben doch immerhin auf 1945 zurück. Wenn auf unseren Flaschen der an sich ungeschützte Begriff „Alte Reben“ steht, müssen diese Reben immer älter sein als ich. Momentan sind wir da immerhin bei 62 Jahren…
 
bonvinitas: Sagen Sie uns etwas zu Ihrem Weinausbau und Ihren Qualitätsgeheimnissen?
Günther Jauch: Wir besitzen nur Spitzenlagen mit dem erwähnten Zwang zur ausschließlichen Handarbeit. Das erlaubt uns eine hohe Selektionstiefe vom Gutswein bis zum Eiswein. Und eine solche Qualität schmecken Sie tatsächlich im Glas bzw. auf der Zunge.
 
bonvinitas: Was empfehlen Sie den Weinfreunden generell - leichtere Weine? Reifere Weine?
Günther Jauch: Eigentlich empfehle ich grundsätzlich keine Weine. Ich bin aber ein großer Anhänger leichter und gleichzeitig restsüßer Kabinettweine, die dieses großartige Süße-Säurespiel am Gaumen produzieren. Weine, die sich zugleich mineralisch präsentieren, kühl und präzise. So hat unser aktueller Kabinett nur 8 % Alkohol. Auch wenn diese Weine noch etwas erklärungsbedürftig sind, so passen Sie doch großartig zu einer modernen Küche und insbesondere zu asiatisch angehauchten Gerichten.
 
bonvinitas: Die Weineinkäufe gehen zurück. Das deutsche Weininstitut meint, dass es am demographischen Faktor liegt. Wie kann man Ihrer Meinung nach jüngere Leute für Wein begeistern?
Günther Jauch: Das ist einer der Gründe, warum ich mit Aldi zusammen ein Projekt gestartet habe, dass insbesondere Weineinsteiger und junge Weininteressierte ansprechen soll. Aus guten Qualitäten deutschen Weins, der sogar Anteile von Prädikatsweinen enthält, haben unser Kellermeister Andreas Barth und ich eine weiße und eine rote Cuvée entwickelt. Weil wir auch da qualitativ deutlich über dem Durchschnitt liegen wollten, kosten beide 5,99 € pro Flasche. Unsere Erfahrung ist: Wem solche Weine schmecken, der fällt nicht mehr auf das 2,99 € Niveau zurück und ist so nicht nur für den deutschen Wein, sondern auf längere Sicht auch für den Weinhandel mit seiner individuellen Beratung gewonnen. Dann müssen wir über die Entwicklung des deutschen Weins auch nicht mehr länger jammern, sondern können uns nicht nur an seiner Qualität, sondern auch wieder mehr über seinen Erfolg am Markt freuen.
 
bonvinitas: Herr Jauch, wir wünschen viel Erfolg für dieses Projekt und danken Ihnen für das Gespräch.
 
Fotos: Gutshaus und Weinlage: Stern Viva, Juliane Werner; übrige Fotos: PR
 
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