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Weingut Lageder: Gezielte Herabstufung von DOC auf IGT

Geht mutig voran: ‚Wir wollen trotz Klimaerwärmung den Alkohol im Zaum halten‘

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Weingut Lageder: Gezielte Herabstufung von DOC auf IGT. Geht mutig voran: ‚Wir wollen trotz Klimaerwärmung den Alkohol im Zaum halten‘. Alois und Junior Alois Clemens Lageder. Foto: Ivan Bortondello. Weinberge in Sütirol.Weingut Lageder: Gezielte Herabstufung von DOC auf IGT. Geht mutig voran: ‚Wir wollen trotz Klimaerwärmung den Alkohol im Zaum halten‘. Alois und Junior Alois Clemens Lageder. Foto: Ivan Bortondello. Weinberge in Sütirol.
Wie das renommierte Südtiroler Weingut Alois Lageder kürzlich verlauten ließ: „Werden wir mit den kommenden Jahrgängen für die Produktlinie „Meisterwerke“ und die Linie „Kompositionen“ von DOC Südtirol auf IGT Vigneti Delle Dolomiti wechseln. Die Entscheidung kommt für uns nicht plötzlich. Wir hatten in den letzten Jahren viele konstruktive Gespräche mit dem Konsortium Südtirol Wein und der Handelskammer Bozen geführt. Dabei haben wir festgestellt, dass wir in einigen wesentlichen Punkten, sei es im Weinbau wie in der Kelterung unterschiedliche Vorstellungen haben“, sagt Juniorchef Alois Clemens Lageder.

Weingut Lageder, Südtirol, Tor Löwengang. Foto: Gianni BodiniWeingut Lageder, Südtirol, Tor Löwengang. Foto: Gianni BodiniNatürlich sind die Weine damit nicht geringer, doch es bedarf solch renommierter Weingüter, wie Lageder, um mutig voranzuschreiten, denn die Klimaerwärmung führt tendenziell zu höheren Alkoholwerten. Wollen wir das? Lieben wir nicht frische, fruchtige Weißweine mit nicht zu viel an Alkohol?

Ausgangspunkt: Ein Pinot Gris 2020 mit 11,4% Alkohol

Der Wein konnte nicht zur DOC-Prüfung eingereicht werden, weil laut Richtlinien DOC Südtirol mindestens 11,5% Alkohol vorgeschrieben sind. 

Zum Hintergrund: DOC bedeutet bekanntlich Denominazione di origine controllata, zu Deutsch kontrollierte und geschützte Ursprungsbezeichnung, also ein Qualitätswein. Nach europäischem Weinrecht - wir haben ja schon lange den gemeinsamen Agrarmarkt - sind dafür Mindeststandards vorgeschrieben, in deren Rahmen berufsständische regionale Konsortien weitere Standards für die Qualitätsweine der jeweiligen Region bestimmen (können). Dies sind vor allem die genaue Festlegung der Herkunft, sprich der Weinbergslagen, für die das betreffende DOC gilt, als auch der Rebsorten. Enger fassen kann das Konsortium weitere „Qualitätsstellschrauben“, wie Lesezeitpunkte, Hektarhöchsterträge, Alkoholwerte, Anteile von Rebsorten, Restzucker, Reifezeiten im Fass, ob in Barriques, Säurewerte oder den frühesten Zeitpunkt des in den Verkehr Bringens. IGT bedeutet Indicazione Geografica Tipica, was einem Landwein entspricht. Dort gelten die niedrigeren europäischen Bestimmungen und Standards. So sind dort 11,4% Alkohol zulässig.

Die Richtlinien müssen weiterentwickelt werden

Alois Clemens Lageder: „Wenn 15,5% Alkohol erlaubt sind, wollen wir auch leichtere DOC Weine machen können. Denn die Natur ändert sich. Viele Bestimmungen stammen aus dem Jahr 1973. Doch wir haben nicht mehr die gleichen Bedingungen wie vor 30 oder 40 Jahren. Wir freuen uns, dass wir einen solch leichten finessereichen Pinot Gris erzeugen konnten. Wir arbeiten heute nicht nur mit dem Saft, sondern auch mit dem Stängel und den Schalen, um eine tiefere Säure und mehr Frische in den Wein zu bekommen. Die daraus gewonnenen dezenten Gerbstoffe sind hilfreich im Geschmacksbild. Und wir wollen vor allem den Alkohol im Zaum halten.“

Alois Clemens Lageder ist Mitglied im Verwaltungsrat des Konsortiums Südtirol und sagt dazu: „Wir arbeiten alle zusammen an der Weiterentwicklung der Kriterien. Natürlich geht das nicht so schnell, aber wir müssen mehr Spielraum haben für leichtere Weine. Auch unsere Gewürztraminer müssen frischer werden. Mit dieser gewollten Herabstufung möchten wir die Beschleunigung der Diskussion anstoßen." 

(Anmerkung der Redaktion: Es wäre ein Leichtes gewesen, den Wein um 0,1% auf die zulässigen 11,5% Alkohol anzuheben, etwa durch eine etwas spätere Lese mit ein wenig mehr Öchsle oder einer geringfügigen und damit deklarationsfreien Zugabe eines schwereren Weins.)

Text. Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas. Quelle: Weingut Lageder. Weinbergsfoto: PR

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