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Wenn Spitzensommeliers selbst „winzern“

total eigensinnige Weine: die Fendt Weinfamilie

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Von Dieter Simon  2020  
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Jürgen und Maren Fendt. Foto: PRJürgen und Maren Fendt. Foto: PR

Bravo kann ich nur sagen, sie haben den Mut, total eigensinnige Weine zu machen, wie sie selbst sagen, die Fendt Weinfamilie. Insbesondere Rieslinge, wie sie unsere Großväter und Großmütter tranken, absolut natur, weil man seinerzeit gar nichts anderes kannte. Spontangärung ist selbstverständlich. Reinzuchthefen – aber nein! „Wir möchten nicht das 95. Weingut in Baden sein, sondern etwas ganz anderes machen“, so Jürgen Fendt, in Weinkreisen bestens bekannter Sommelier im Drei-Michelin-Sterne-Restaurant Bareiss in Baiersbronn, und Ehefrau Maren, ebenfalls erfolgreiche Sommelière.

 

Fendts 2012 Steinbacher Stich den Buben. Foto: PRFendts 2012 Steinbacher Stich den Buben. Foto: PRSaftig und stoffig probieren sich die Rieslinge mit dezenter Fruchtsäure, weil sie grundsätzlich 12 Monate auf der Feinhefe reiften und den natürlichen, biologischen Säureabbau durchlaufen haben. „Der von selbst eintritt, nicht geimpft“, wie Fendt betont. Man spürt es gleich auf der Zunge, die Spontangärung führt zu deutlich mehr, als den für Riesling üblichen Pfirsich- und Zitronennoten. Es kommen würzige Noten, deutlich mehr Gehalt und im Finish Anklänge an Traubenkernöl, wie zum Beispiel der Einstiegswein, der „FendtRiesling“ 2013 zeigt. Interessante, sehr anregende Zartbitternoten bis hin zu etwas Pfeffrigem zeigt der 2012 Neuweierer Riesling im Finish. Ich kann ihn mir gut zu einer anregenden Diskussion vorstellen - ein absolut eigenwilliger Tropfen, nichts für Anfänger, aber macht Spaß! Der 2012 Neuweierer Altenberg hat etwas von Feuerstein und im Finish schöne Karamelltöne. Durch die Spontangärung bleibt vielen Weinen von Natur ein wenig Restzucker, der aber in die Stoffigkeit schön eingebunden ist. Die Naturhefen haschen eben nicht nach jedem Fieselchen Zucker, um es auch noch in Alkohol zu wandeln. So sind die Fendts keinerlei Alkoholenthusiasten. 12 bis 12,5 % genügen, was sogar mutig für die Rotweine gilt. Bewusst wird bei diesen nicht zu spät gelesen. „Wir wollen keine pomadigen Spätburgunder Rotweine“, erklärt Jürgen. 12 Monate reifen sie in schon zuvor belegten Barriques und behalten so eine schöne Frische am Gaumen. Der „ZWEINULLNEUN“ Spätburgunder Rotwein aus eben diesem Jahrgang imponiert im Finish durch zwar kräftige doch absolut angenehme Tannine, ein Rotwein, den ich gerne nachtrinke, nicht nur zum Essen.

Noch ist alles in den Anfängen und viele Weine sind jetzt erst richtig gereift, um sie auf den Markt zu bringen. Was Maren und Jürgen Fendt produzieren, ist absolut kein Massengeschmack. „Doch wir werden unsere Freunde finden“, geben sich beide überzeugt, wohl wissend, dass dies Zeit braucht. Ich kann die Überzeugung voll nachempfinden. Noch haben sie mit ihren drei Hektar Reben kein volles eigenes Weingut und auch noch keine Empfangsräume. Es klingt nach Hobby, was es aber absolut nicht ist. „Unser Wunsch ist, den Wein in seiner Gänze zu verstehen und so zu machen“, so Maren. Nach eigenem Bekunden sind sie noch lange nicht am Ende, sondern dringen Jahr für Jahr tiefer in die Geheimnisse der Natur und der Weine ein. Man darf gespannt sein und kann sich freuen, was noch alles an mehr Eigensinnigem ins Glas kommt.

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Von den drei Hektar Reben liegen die meisten in der badischen Ortenau, in Bühlertal, Neuweier und Steinbach. Es ist den Fendts gelungen, sehr gute Lagen zu pachten, und sie möchten von jeder Parzelle das ihr Eigene auf die Zunge bringen. Noch baut man in einem gemieteten Keller aus, jedoch mit eigenen Fässern, und es wird alles selbst gemacht. Man pendelt zwischen dem Wohnsitz in Baiersbronn und dem geliebten Keller im badischen Bühlertal. Immer einmal über den Schwarzwald und zurück! Angefangen hatte alles 2001 an der Mosel, wo die Fendts heute noch einen kleinen Weinberg in der Lage Klüsserather Bruderschaft bewirtschaften.

Beider Werdegänge lesen sich spannend. Bei Jürgen folgten nach der klassischen Gastronomie-Ausbildung Stationen in der deutschen Top-Liga: Hotel Colombi, Freiburg; Die Ente vom Lehel, Wiesbaden; Restaurant Sonnora, Dreis; Schwarzer Hahn, Deidesheim, und schließlich Restaurant Bareiss, Baiersbronn. Begleitend durchlief er Praktika bei Winzern und nahm an nationalen und internationalen Sommelier-Wettbewerben teil. Neben vielen Preisen ergatterte 1999 die Trophée Ruinart und den Preis Moët-Hennesy, 2000 wurde er Sommelier des Jahres beim Gault Millau und Kandidat bei der Weltmeisterschaft.

Maren Fendt, damals noch Gollmann, durchlief ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau in der Speisemeisterei in Stuttgart. Zu weiteren Stationen zählte das Traumschiff „MS Deutschland“ sowie das Landgasthaus Linde in Pliezhausen – wie die Speisemeisterei mit Michelin-Stern. Es folgte ein neunmonatiges Praktikum im Weingut Gutzler, Rheinhessen, und nach einer Zwischenstation im Engel, Baiersbronn, der endgültige Wechsel in die Weinbranche zum Weingut Dreissigacker, Rheinhessen, später zum Weingut Maier, Baden-Baden. Inzwischen kümmert sie sich hauptamtlich um die Pflege der eigenen Weinberge und die Vermarktung ihrer Weine. Näheres unter www.fendtwein.de.

Dieter Simon, bonvinitas

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