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Gelber Orleans – die historische und wiederentdeckte Weißweinsorte

kräftige, nicht zu schwere Weine – zwischen Riesling und Sauvignon Blanc - sehr gute Kostprobe vom Weingut Abthof, Hahnheim/Rheinhessen

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Gelber Orleans – die historische und wiederentdeckte Weißweinsorte - noch selten, doch gutes Muster aus dem Weingut Abthof, Hahnheim/RheinhessenGelber Orleans – die historische und wiederentdeckte Weißweinsorte - noch selten, doch gutes Muster aus dem Weingut Abthof, Hahnheim/Rheinhessen
 Gelber Orleans. Foto: Joachim Schmid Gelber Orleans. Foto: Joachim SchmidDer Überlieferung nach wurde der Gelbe Orleans von Karl dem Großen aus Frankreich an den Rhein gebracht. Vermutlich waren es aber die Zisterzienser des Klosters Eberbach, die den Orleans im 12. Jahrhundert erstmals im Rheingau pflanzten. Der Name, der auf die Stadt Orléans anspielt, spricht zumindest für die Herkunft aus Frankreich. Aufgrund ihrer hohen Ansprüche an die Lage wurde sie vor allem in den klimatisch begünstigten Spitzenlagen des Rheingaues (Schloss Johannisberg, Rüdesheimer Berg und Assmannshausen) gepflanzt. Mit Sicherheit stand sie auch in den Spitzenlagen von Forst an der Weinstraße. Belegt ist ihr Anbau ferner am Kaiserstuhl und in der Ortenau. Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie jedoch vom Riesling verdrängt. 1890 wurde ihre Rebfläche im Rheingau auf noch 11,4 Hektar beziffert.

Die Wiederentdeckung

Der letzte bekannte Orleanswein des 20. Jahrhunderts wurde 1921 in Rüdesheim gekeltert. 1988 kamen die letzten Flaschen 1920er und 1921er aus den Beständen des Staatsweingutes Kloster Eberbach zur Versteigerung. Der 1921er Rüdesheimer Schlossberg Orleans erzielte auf der Auktion 5.700 DM, der 1920er wurde mit 6.000 DM zugeschlagen.

In den vergangenen 80er und 90er Jahren gelang es Prof. Helmut Becker (†) von der Forschungsanstalt Geisenheim aus verwilderten Stöcken aufgelassener Terrassen des Rüdesheimer Berges die Sorte neu zu züchten. In den folgenden Jahren wurde Gelber Orleans dann in kleinem Umfang von einzelnen engagierten Winzern angepflanzt vor allem im Rheingau und in der Pfalz.  (Die drei ersten Absätze sind aus WIKIPEDIA zitiert.)

Gute Zukunftschancen

Bis heute sind Weine des Gelben Orleans noch sehr selten zu finden, doch ich gebe der Sorte aus mehreren Gründen viel Zukunft: Erstens handelt sich um eine spätreifende, was im Zuge der Klimaerwärmung Vorteile bringt, weil die Weine dann auch in heißen Sommern nicht zu alkohollastig werden. Obendrein sind die Schalen recht fest, so dass die Trauben im Herbst nicht pilzanfällig sind, und die Weine weisen eine schöne Säurestruktur auf, was sie ansprechend macht.

Gutes Muster vom Weingut Abthof

Weingut Abthof: Martin und Vater Herbert KochWeingut Abthof: Martin und Vater Herbert Koch

Wir erhielten ein gutes Muster vom Weingut Abthof, Herbert und Martin Koch, Weinbauingenieure, in Hahnheim, Rheinhessen: 2016 Hahnheimer Moosberg Gelber Orleans, Gutsabfüllung, Deutscher Qualitätswein Rheinhessen, trocken, das ich mit 88 Punkten bewertet (rote Punkte, trocken über 12%) und zu dem ich notiert habe: Süßer Duft mit Noten von Blütenhonig, reifen Zwetschen, Rhabarberkompott; auf der Zunge fruchtig, vollmundig mit leicht floralen Noten, was sich im Finish interessant fortsetzt und Kraft entwickelt unterlegt von feiner Süße; ein Wein der zwischen Riesling und Sauvignon Blanc changiert und ein wenig an Vinho Verde Weine erinnert. Ich gebe dem Tropfen auf Grund der merklichen doch angenehm reifen Fruchtsäure gut vier bis fünf Jahre Zukunft. Er passt gut zu kräftigen Fleischgerichten, insbesondere zu Grillsteaks, Bratwurst, Frikadellen, Wurstsalat sowie auch zu Matjes Hering oder Thunfisch gebraten.

Herbert und Sohn Martin Koch, die das 15 ha Weingut betreiben, wagen sich neben ihren klassischen Weinen sehr gerne an Neues. So werden neben Riesling, Silvaner, Scheurebe, Weißem und Grauem Burgunder, Chardonnay und Dornfelder Weine einer Reihe neuer Sorten angeboten, wie Gelber Orleans oder von der roten Neuzucht Acolon sowie insbesondere von pilzresistenten Neuzuchten, die deutlich weniger Schädlingsbekämpfung benötigen, wie Muscaris, Souvignier Gris, Solaris oder Monarch. „Es sind Reben, die nicht oder nur bei extremsten Witterungsverhältnissen gegen Pilzkrankheiten behandelt werden müssen“, lassen sich die Herren Koch vernehmen, Sorten von denen sie seit 2016 unter der „AUFTAKT-Reihe“ charaktervolle Weine bieten. Man hört gerne, dass diese schon eine ganze Reihe an Auszeichnungen gewonnen haben. Daher ist naturnaher Weinbau im Abthof viel mehr als ein Marketingwort. Martin Koch: „Wir wollen nicht nur über Nachhaltigkeit reden, sondern aktiv dazu beitragen.“ So hatte man schon vor rund 20 Jahren mit dem Anbau pilzresistenter Sorten begonnen, deren Anteil im Abthof heute 20% beträgt. Martin Koch freut sich: „Die Neuzuchten, die es heute gibt, liefern sehr gute Weine.“ 

Weingut Abthof: WeinbergeWeingut Abthof: WeinbergeAuf den Gelben Orleans ist man besonders stolz, der 2011 gepflanzt wurde. Dazu Koch weiter: „Nicht nur im Kloster Eberbach, sondern auch in unseren Weinbergen am Hahnheimer Moosberg haben die Zisterziensermönche vom Wahlheimer Hof bei Hahnheim unweit des Kloster Erberbach mit hoher Wahrscheinlichkeit den damals sehr beliebten Gelben Orleans schon vor rund 800 Jahren gepflanzt. So wollten wir dem nachspüren, was die sehr experimentierfreudigen und mit hohem Weinwissen durch ordensweite internationale Zusammenarbeit seinerzeit schon gut ausgestatteten Mönche bereits als gut und für Boden und Klima passend befunden haben.“ Vater Herbert durfte dann von Gelbem Orleans auf Weinbergen des Klosters Eberbach Reißer schneiden von vermehrten Reben aus den oben genannten – nur noch sieben – gefundenen Stöcken. Davon haben Kochs dann selbst Jungpflanzen gezogen und gepfropft. 

Schon seit über 100 Jahren spielt Wein und Weinbau in der Familie Koch eine große Rolle. So freuen sich die Eltern Charlotte und Herbert Koch, dass mit ihrem Sohn Martin und seiner Frau Alina die junge Generation seit 2015 im Weingut voll dabei ist. Das Familienfoto oben zeigt von links: Charlotte Deutsch-Koch, Herbert Koch, Cäcilie Koch, Alina und Martin Koch.

Text: Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas; Fotos: PR, sofern nicht anders angegeben.

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