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Temperament und Eleganz: Tempranillo

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TempranillotraubeTempranillotraube

Wenn es tiefrot im Glas funkelt und die Zunge sanft und dennoch spannend mit würzigen Aromen umschmeichelt wird, ist oft Tempranillo im Spiel!

Über 200.000 Hektar Rebfläche sind allein in Spanien mit Tempranillo bestockt. Aus gutem Grund: Die kleinen, dickschaligen Beeren liefern dunkle, kräftige, langlebige Weine mit weichen, dennoch spürbaren Tanninen und fruchtigen Aromen. Der Name Tempranillo heißt übersetzt „kleine Frühe“ (temprano = früh), da die Trauben zeitig reifen.

Ihr wichtigstes Verbreitungsgebiet ist Spanien: La Rioja ist das wohl prominenteste Anbaugebiet, aber auch in Ribera del Duero, Toro, Cariñena, Penedès, La Mancha (hier heißt er Cencibel) und Navarra wird Tempranillo sowohl reinsortig ausgebaut als auch in Cuvées verwandt. Kein Wunder: Die Aromen von Kirschen, roten und schwarzen Beeren, Tabak, Leder und Gewürzen machen solo ebenso große Freude wie im Zusammenspiel mit anderen Sorten, namentlich der Garnacha, die sehr weiche, tanninarme Weine liefert und mit der Tempranillo-Traube harmonische Partnerschaften eingeht. Wussten Sie übrigens, dass aus der Tempranillo-Traube auch wunderbare pikant-fruchtige Rosés erzeugt werden?

Navarra: OliteNavarra: OliteKeller in NavarraKeller in NavarraDie Rebsortenforscher (oder, fachsprachlich, Ampelographen) sind der Herkunft des Tempranillo schon lange auf der Spur, haben aber noch nicht eindeutig geklärt, wo der schöne Rote herkommt. Vielleicht stammt er vom Spätburgunder ab. In Spanien kursiert eine hübsche Geschichte, die vielfach ins Reich der Legenden verwiesen wird: Nach der Befreiung des Landes von den Mauren hätten sich in der Rioja Zisterzienser-Mönche niedergelassen und die Rebe angepflanzt. Die geistlichen Männer standen in regem Austausch mit ihren Zisterzienser-Kollegen in Burgund und profitierten von deren schon reichem Erfahrungsschatz in Sachen Weinbau. So unwahrscheinlich ist es ja nicht einmal, dass auf diese Weise burgundische Raffinesse in den Tempranillo kam!

„Lässt man Rioja als Spaniens Bordeaux und Burgund in einem gelten, dann muss man die berühmte Tempranillorebe als Vereinigung von Cabernet Sauvignon und Pinot Noir betrachten“, sagt die bekannte englische Weinexpertin und –autorin Jancis Robinson. Das trifft den Nagel auf den Kopf, denn Tempranillo überzeugt ja ebenso als Solokünstler – wie der burgundische Pinot Noir – als auch als Cuvée-Artist – wie Cabernet Sauvignon, der zusammen mit Cabernet Franc und Merlot die großartigen Kompositionen aus Bordeaux ausmacht. Ampelographisch lässt sich eine Kreuzung von Cabernet Sauvignon und Pinot Noir garantiert nicht herleiten! Aber was kümmert das schon den Genießer …

Seine ganze Eleganz entfaltet Tempranillo auf kalkhaltigen Böden. Die gibt es reichlich in der im nordöstlichen Spanien gelegenen Rioja. Die Region unterteilt sich in drei Untergebiete: Die Rioja Baja (im unteren Teil des Ebro-Beckens), die Rioja Alta (im oberen Teil des Flussbeckens) und die Rioja Alavesa (die zur baskischen Provinz Álava gehört). Kalk ist ein ausgezeichneter Wasserspeicher und liefert viele Mineralien – gut für die Rebe, gut für den Geschmack des Weines. Kalk sorgt auch für tiefgründige Struktur und samtige Harmonie – Dinge, die namentlich dem Tempranillo ausgezeichnet stehen.

Besonders in der Rioja Alta und der Rioja Alavesa finden sich viele kalkhaltige Lagen, und zwar weiter oben in den schönen Hügeln, weniger in unmittelbarer Nähe des mächtigen Flusses, des Ebro. Das atlantische Klima geht hier mit den kalkhaltigen Böden eine besonders raffinierte Verbindung ein und sorgt für die tiefgründigen, eleganten Tempranillos aus der Rioja. Reisenden durch die Region fällt die Dominanz des Kalkgesteins schon bald auf: Fast alle Häuser sind strahlend weiß. Wer noch weiter in den Kalk einsteigen will, kann das in den alten Steinkellern mancher Bodega tun.

Südlich von Zaragoza liegt das älteste Weinbaugebiet Spaniens, Cariñena. Schon im Jahr 1932 erhielt die Region den Status einer Denominación de Origen. Kein Wunder – die Tiefe der Weine aus Cariñena ist geradezu legendär. Es sind die kargen Böden der Region, die den Reben Höchstleistungen abverlangen.

Weinlandschaft in der Region ToroWeinlandschaft in der Region Toro

Die dunklen Kalkböden der Region Toro brachten lange Zeit vor allem rustikale Tropfen hervor, bis das ganze Potenzial des Gebietes am Duero-Fluss erkannt wurde. Heute gehört Toro zu den Newcomer-Regionen Spaniens. Tempranillo ist hier noch nicht allzu lange heimisch, aber auch im Toro spielt er all seine Fähigkeiten auf das Schönste aus: Seine vollmundige Würze und sanfte Kraft. Hier entstehen die Weine der Finca Sobreno, die mit einer 2003er Crianza und einer 200er Toro Reserva aufwartet. Die ganze üppige Beerenfrucht des Tempranillos – hier Tinta de Toro genannt – kommt in diesen Weinen zur Geltung.

Tempranillo beweist in allen Regionen, die sich seinem Anbau widmen, die Fähigkeit zur Variation, ohne seine wesentliche Charaktereigenschaft zu verlieren: seine harmonische, weiche, aromatische Art, die von spürbaren, aber nie aggressiven Gerbstoffen (Tanninen) geprägt ist. Das können nur große Rebsorten!

Wie alle Weine aus den großen Rebsorten macht Tempranillo eigentlich immer Spaß: Solo zum gemütlichen Tagesausklang auf der Terrasse ebenso wie als Wein zur größeren Runde und, natürlich, als Essensbegleiter. Zu Tapas aller Art sorgt er für Spanien-Feeling, zu sanft Geschmortem eignet er sich ebenso wie zu kurz gebratenem Lamm oder Rind. „Rotweine nie zu weißem Fleisch“ – diese Regel strafen Weine aus Tempranillo Lügen, denn wer sie einmal zu Kaninchen oder einem mallorcinischen Huhn mit Tomaten probiert hat, wirft dieses Diktum schnell über Bord!

Auch zu deftigeren Fischgerichten wie einem Thunfischsteak mit provenzalischen Kräutern, dem gegrillten „Blackened Fish“ aus der Cajun-Küche oder einem kräftigen Eintopf aus Süßwasserfischen gibt ein Tempranillo eine wunderbare Figur ab. Für vegetarische Genüsse bieten sich – unter vielem anderen – mexikanische Tortillas oder Enchiladas mit Bohnenfüllung an – und dazu ein Tempranillo. Er kann es überhaupt mit den kräftigen, raffinierten Gewürzen aus der südamerikanischen, afrikanischen oder orientalischen Küche gut. Vielleicht doch ein Indiz dafür, dass der Tempranillo schon zu maurischen Zeiten in Spanien ansässig war? Egal – ein großer Genuss ist er allemal!

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Fotos: Félix Lorrio / ICEX, Juan Manuel Sanz / ICEX


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