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Weinspiel

Master of Wine – der Hochadel der Sommeliers und professionellen Weinzungen

ganz aktuell gibt es in Deutschland davon nur 10 – da die Prüfungen extrem schwierig sind

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Fotos: Institute of Masters of Wine, London. Oben: Bei der Diplomfeier 2019; unten: beim Burgundertest des Jahrgangs 2016 in 2019Fotos: Institute of Masters of Wine, London. Oben: Bei der Diplomfeier 2019; unten: beim Burgundertest des Jahrgangs 2016 in 2019
Vergeben werden die Zertifikate „Master of Wine“ nach mehrjähriger Ausbildung – zu nicht geringen Teilen in Fernkursen – und härtesten Endprüfungen vom „Institute of Masters of Wine“ in London. Gegründet wurde das Institut bereits 1953 von britischen Weinimporteuren und Weinhändlern zur entsprechenden Ausbildung und Sicherung der Qualität. Dennoch gibt es nach all den Jahren zur Zeit weltweit „nur“ 393 aktive „Masters of Wine“ in 29 Ländern, was die Bedeutung und Rangordnung dieses Titels beweist, den die erlauchten Absolventen wie einen Doktortitel per „MW“ ihrem Namen beifügen dürfen.
 

Lange waren die Prüfungen den britischen „traders in wine“, also Weinhändlern, vorbehalten. In den 1980er Jahren durften dann auch Weinautoren die Prüfungen ablegen. Erst ab 1987 werden auch Kandidaten über Großbritannien hinaus zugelassen. So ist von der Geschichte her klar, dass die Ausbildung schwerpunktmäßig auf profundem Weinwissen, Wein erkennen und beurteilen liegt, also mehr konsumbezogen ist, im Gegensatz zum Beispiel zu der bekannten Hochschule Geisenheim University, die mehr auf Weinbau und Weinerzeugung sowie die entsprechende Wissenschaft ausgerichtet ist, also mehr erzeugerbezogen. Neben den Ausbildungen, den äußerst Respekt einflößenden Prüfungen und den hochfeierlichen Titelzuerkennungen für die Glücklichen führt das Institut of Masters of Wine auch Weinbewertungen durch, wie die traditionellen Burgunderprüfungen bestimmter Jahrgänge, oder die Champagnerprüfungen. Von den neuerdings zehn deutschen „MW“ möchte ich beispielhaft zwei näher beleuchten:

Frank Roeder MW – Master of Wine

 Frank Roeder WM. Foto: prisma Frank Roeder WM. Foto: prisma

Interessant ist sein Start, denn Frank Roeder war Lufthansapilot. Der 1990 Golfkrieg bescherte ihm unbezahlten Urlaub. Dies führte zur Gründung eines nebenberuflichen Weinhandels, womit der Grundstein gelegt war. Schnell war der Name gefunden: „VIF“ – eine Kombination aus Vin, italienisch und französisch. Da die Freundin aus der Käsebranche stammte, wurde auch Käse ein wichtiges Thema. Von vielen Reisen konnte der Pilot Käse mitbringen, und so kam es zu viel Erfahrung und einem großen Wissen über Käse und die Kombination mit Weinen, was sich auch in einem Buch niederschlug. 

Roeder: „Ich habe viele Texte zu den Weinen geschrieben, wer sie macht, wie sie schmecken und am besten wozu. Das schlug ein. Rasch hat sich auch die Gastronomie interessiert, und ich habe einen Partner hinzugenommen, einen studierten Oenologen, der sich vor allem um Weine aus Spanien und von Übersee kümmerte. So kam es, dass sich bei mir nach und nach ein großes Fachwissen über Wein ansammelte.“

Die Freundschaft mit Jürgen von der Mark, dem ersten deutschen „Master of Wine“, reizte Roeder, diesen Titel ebenfalls zu erwerben. Von der Mark wurde sein Mentor. Das hieß nochmals viel, viel lernen und natürlich auch Kurse am Institut of Masters of Wine in London zu belegen. Roeder: „2009 war es dann soweit, dass ich die Anmeldung zur Prüfung wagen konnte. Allein die praktische dauerte drei Tage. In zahlreichen Zusammenstellungen von je 12 Weinen mussten wir in Gruppen in Blindverkostung herausfinden, wo die Weine herkamen, ihre Machart bestimmen sowie die Qualität beurteilen – das Ganze unter großem Zeitdruck. Die Theorie dauerte dann vier Tage in fünf Themenblöcken: Weinbau, Vinifikation, Qualitätskontrollen, Business sowie zeitnahe Themen. Außerdem war noch eine Dissertation oder Research Paper, wie das heute heißt, einzureichen, die ich über die Anpassung der Moselwinzer an den Klimawandel (2009!) verfasst habe. Doch am Ende hatte ich es geschafft!“

Noch heute reist Roeder sehr viel, besucht Winzer, probiert und prüft Weine vor Ort. „Ich suche Weine, die überdurchschnittlich gut sind bei einem guten Preis-Leistungsverhältnis, und die etwas Besonderes bieten“, verrät er sein Konzept. Der Weinhandel ist in Völklingen an der Saar beheimatet und findet sich unter www.vif.de. Sehr interessant lesen sich seine Newsletter.

Konstantin Baum MW – Master of Wine

Konstantin Baum MW. Foto: PRKonstantin Baum MW. Foto: PRAuch Konstantin Baum stammt nicht ursprünglich aus der Weinbranche, ist aber viel in der Welt herumgekommen. Nach dem Abitur in Bielefeld folgte die Ausbildung zum Service und Küchenmanagement im Brenner’s Parkhotel & Spa in Baden-Baden, dem sich die Tätigkeit als Sommelier im Restaurant Patrick Guilbaud in Dublin/Irland - zwei Michelin-Sterne - anschloss. Dann ging es auf die Produktionsseite, zunächst als Kellerhelfer bei der Te Mania Winery in Neuseeland, dann Studium und Abschluss als Bachelor an der Hochschule Geisenheim University. Danach folgten vier Jahre in London als Business Development Manager bei Liv-ex, einer Art weltweiten Weinbörse, die Weinhändler berät und Preisvergleiche bietet sowie logistische Unterstützung. 

2014 gründete Baum „meinelese.de“ in Baden-Baden, sein spezieller Weinhandel für ganz ausgesuchte Tropfen. Zusätzlich berät er Brenner’s Parkhotel in Sachen Wein sowie das Wine Institut of California und ist auch häufiger im Fernsehen zu sehen, wenn es um Wein geht. 2015 wurde Baum als je jüngster Deutscher zum „Master of Wine“ gekürt. „‘meinelese‘ habe ich gegründet, um spannende Weine und die Geschichten rund um diese nach Deutschland zu bringen, und um spannende Winzer und Weinkonsumenten einander näher zu bringen“, so sein Credo. Auch hier ist der Newsletter eine wahre Fundgrube. Näheres unter www.meinelese.de.

Text: Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas

 
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