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Alkoholfreier Wein – Wein oder Erfrischungsgetränk?

bonvinitas stellte die Frage und hat alkoholfreie Weine getestet

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Alkoholfreier Wein – Wein oder Erfrischungsgetränk?Alkoholfreier Wein – Wein oder Erfrischungsgetränk?
Beim TestenBeim Testenbonvinitas wollte es wissen und testete insgesamt acht alkoholfreie Weine – jetzt zu der warmen Jahreszeit insbesondere ein Thema. Die Weine wurden im Lebensmitteleinzelhandel gekauft und sind auch dort verfügbar. Das Prüferteam probierte natürlich verdeckt und des Neuen wegen in zwei Durchgängen: Vorab erst ohne Wertung und mit Diskussion, um sich darauf einzustellen. Ist es Wein oder ein eigenständiges Getränk? Ja und nein lautete die Antwort. Alkohol ist nun einmal ein wichtiger Geschmacksträger. Ohne diesen schmeckt es schon deutlich anders. Nach Vorversuchen war klar, dass man einen alkoholfreien Wein gut gekühlt trinken muss. Also haben wir alle im Kühlschrank auf 8 bis 10° C gekühlt, was sich auch zum Genießen empfiehlt - für die weißen auf jeden Fall. Damit liegt man näher am Erfrischungsgetränk. Ich würde sagen, alkoholfreier Wein hat Gene beider Eltern, vom Wein wie von Erfrischungsgetränken. Die roten können einen Tick wärmer getrunken werden, doch auch gut gekühlt schmecken sie angenehm erfrischend. Ein großer Vorteil ist, wer in Gesellschaft mit anstoßen möchte, ist mit alkoholfreiem Wein voll dabei, auch wenn man - aus welchen Gründen auch immer - keinen Alkohol möchte.
 
Im zweiten Durchgang ging es dann zur Sache. Bewusst haben wir nicht unser übliches 100-Punkte-System angewandt, weil dessen Prüfungsbogen auf Wein zugeschnitten sind. So haben wir eigenständige entwickelt. Für Geruch, Geschmack, Finish, Gesamteindruck/Harmonie sowie für die Verwendungsmöglichkeiten waren je 0 bis 4 Punkte zu vergeben, für das Aussehen maximal drei, denn dieses kann nicht besser als gut sein. Außerdem enthielten die Prüfungsbogen bewusst Platz für verbale Kommentare.
 
Den ersten Platz belegte der „Michel Schneider Chardonnay alkoholfrei“ von Michel Schneider Nachf., Bad Bergzabern, wozu notiert wurde: in der Nase fruchtig, harmonisch, leichte Kräuternoten; kräftig im Geschmack, im Finish leicht zum Nachkauen; animiert zum Nachtrinken. Der Alkohol liegt bei 0,2 g/l00ml, womit das Getränk so gut wie alkoholfrei ist. Der Restzucker wird mit 7,1 g/100ml angegeben. Das ist zwar nicht gerade wenig, aber das Interessante ist, die Süße tritt geschmacklich nicht hervor. Passt gut als Terrassenwein sowie zu Obstsalat, Walldorfsalat, Ziegenkäse, Quiche oder auch zu vegetarischen Gerichten. Schön ist, dass eine Rebsorte angegeben wird. 
 
Den zweiten Platz belegte der „Michel Schneider Cabernet Sauvignon alkoholfrei“ ebenfalls von Michel Schneider Nachf.: tiefgründiges, samtiges Bukett, im Geschmack rund und kräftig; im Finish nochmals samtig, ja fast mit kleinen Geheimnissen. Insgesamt sehr rund. Der Alkohol wird mit 0,3 g/l00ml Alkohol genannt und der Zucker 7,5 g/l00ml. Passt gut zu Pastagerichten, zu Kurzgebratenem sowie zu Mousse au Chocolat oder auch zu Schokoladenkuchen.
 
Dritte Plätze gab es mit etwas Abstand der Punktgleichheit wegen zwei: „Schloss Sommerau“ alkoholfreier Rotwein von der Sommerauer Schlossbergkellerei, Bernkastel-Kus, zu dem notiert wurde: Saftig im Geruch, kräftig im Geschmack, im Finish harmonisch; Gesamteindruck schön und gut zu Obstkuchen oder Hasenpfeffer kräftig gewürzt. Ein Alkoholgehalt wird nicht genannt, der Restzucker mit 5,4 g/100ml angegeben.
Gleichauf lag der „Light live red“ alkoholfrei von Schloss Wachenheim, Trier: Im Geruch kräftig, im Geschmack spürbarer Gerbstoff, passt gut zu Schwarzwälder Kirschtorte, zu Pumpernickel oder Saltimbocca. Alkohol keine Angabe, Zucker 5,0 g/l00ml.
 
Ebenfalls gut bewertet wurden:
„Schloss Sommerau“ alkoholfreier Roséwein von der Sommerauer Schlossbergkellerei: frisch, fruchtig, säuerlich, erinnert an Johannisbeersaft, 4,9 g/l00ml Restzucker. Passt gut zu Sauerbraten, grünem Salat, Brie und Ziegenkäse oder Datteln im Speckmantel.
„Light live rosé“ alkoholfrei von Schloss Wachenheim mit 5,1 g/l00ml Restzucker: angenehm, harmonisch, passt zu Himbeereis, Johannisbersorbet, Melone mit Schinken oder zu Zitronenkuchen.
 
Summa summarum sind alkoholfreie Weine meiner Meinung nach durchaus fruchtige, erfrischende Getränke, deren Süße geschmacklich nicht so in den Vordergrund tritt. Allerdings sollte man sich davon frei machen, einen Wein im Glas zu erwarten. Natürlich sind alkoholfreie Weine mit Wein verwandt, doch ich möchte sagen, sie bilden eine eigene Gattung. Übrigens lässt sich mit etwas Sprudel, Zitronenschalen und nach Geschmack einem kleinen Schuss Sekt ein sehr erfrischender Longdrink daraus zaubern, so etwas, was man früher eine „Kalte Ente“ nannte, auch wenn diese ein wenig aus der Mode gekommen ist. Total alkoholfrei sind diese Weine – auch ohne Angabe – wohl alle nicht, was technisch aufwendig und sicher mit Aromenverlusten verbunden wäre. Nach Lebensmittelrecht dürfen alkoholfreie Weine bis 0,5 % Alkohol enthalten, der allgemein erst ab 1,2 % angegeben werden muss. Total ohne Alkohol sind nur Lebensmittel, die mit „ohne Alkohol“ gekennzeichnet sind. Fruchtsäfte dürfen bis 1 % enthalten.
 
Natürlich stellt sich die Frage, wie der Alkohol entzogen wird. Es gibt das Verfahren der Vakuumdestillation sowie ein mehrstufiges Schleuderverfahren. In der ersten Schleuderfraktion verliert der Wein die Aromen, die aufgefangen werden. In der nächsten Fraktion verliert er den Alkohol. Anschließend werden die Aromen wieder zugegeben. Dies als Kurzerklärung, auch wenn die Dinge im Einzelnen natürlich komplizierter sind.
 
Dieter Simon, Chefradakteur und Herausgeber bonvinitas; Fotos: bonvinitas
 
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