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Die Weinblüte – unscheinbar aber doch wichtig für den kommenden Jahrgang. Ausblick 2014

Wenn der Winzer während der Blüte unter dem Weinstock schlafen kann, wird’s richtig.

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Von Dieter Simon  20597  
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Die Weinblüte. Foto: Dieter SimonDie Weinblüte. Foto: Dieter Simon

„Die schönste Blüte ist natürlich meine Frau“, sagt Mathias Kleinmann vom Weingut Ökonomierat Johannes Kleinmann in Birkweiler, Pfalz, auf Befragen nach der Weinblüte. Und so sind wir sicher, dass die Dame keineswegs so unscheinbar ist wie die Weinblüte. Das Bild in Großaufnahme erklärt es gut: Der ganze Blütenstengel ist in Wirklichkeit um 5 bis 10 cm lang. 

Die dickeren Knöpfe sind allerdings nicht die jungen Beeren, sondern je Schutzkappen über der Blüte. Mit dem Blühen springt diese Schutzkappe ab, und es erscheinen fünf Staubgefäße mit dem Stempel, gut sichtbar in der Mitte des Bildes oder links unten. Das war schon alles! Die Rebe bestäubt sich selbst, was mit diesem Aufspringen geschieht. Selbst von den Staubgefäßen fallen beim Aufspringen häufig welche ab. Der Stempel oder Fruchtknoten, jetzt noch etwa Stecknadelkopf groß, wächst dann heran und bildet eine Beere.

Thomas Männle, Weingut Andreas Männle, Durbach: Blüte bei extremer Hitze sensationell schnell. Hofft auf guten Erntesegen. Foto: Dieter SimonThomas Männle, Weingut Andreas Männle, Durbach: Blüte bei extremer Hitze sensationell schnell. Hofft auf guten Erntesegen. Foto: Dieter Simon

Wo nicht viel geblüht hat, kann es nicht viel Beeren geben. Dies vorneweg zur Menge für den neuen Jahrgang. Es kommt darauf an, wie der Weinstock durch den Winter kam und wie viele solche Blütenständer, der Winzer nennt sie Gescheine, er mit dem Frühjahrsaustrieb angesetzt hat. Aber schon mit und nach der Blüte lassen sich erste Aussagen treffen, ob die Voraussetzungen für einen reichlichen und möglichst guten Jahrgang gegeben sind. Denn es kommt darauf an, ob die selbstbestäubten Fruchtknoten auch wirklich zu Beeren heranwachsen oder schon rasch nach der Blüte abfallen. Der Winzer nennt dieses Abfallen verrieseln. Der Name Riesling soll daher kommen, als eine Sorte die entsprechend anfällig ist. Durch Weiterzüchten robuster Stöcke ist der Riesling heute allerdings weniger empfindlich. Gewünscht ist warmes, trockenes Wetter. „Wenn der Winzer während der Blütezeit nachts unter dem Weinstock schlafen kann, wird’s richtig“, sagt eine alte Winzerregel. Dann ist ein Weinberg in wenigen Tagen durchgeblüht. Ist es jedoch kalt und nass, zieht sich die Blüte länger hin, und die Verluste durch Verrieseln werden deutlich stärker. Allerdings, allzu heiß und allzu prallsonnig sollte es auch nicht sein, dann macht der Weinstock nämlich „hitzefrei“, was auch zu gewissen Verrieselungen führen kann. So sieht der Winzer während der Blüte viel aus dem Fenster.

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Ferner kommt es auch darauf an, wann die Blüte war, früher oder später im Jahr. Normalerweise liegt sie Anfang Juli. Dieses Jahr war und ist sie gut 14 Tage früher. Das heißt, es wird wohl eine frühere Lese geben. Denn die „Zeit der Schwangerschaft“ zwischen Blüte und Lese beträgt bei „normalem“ Wetter etwa drei Monate. Natürlich sind die letzten Tage vor der Lese die entscheidenden, aber mit der Blüte werden, wie erläutert, durchaus schon Weichen gestellt, insbesondere, was die Menge betrifft.

Markus Heidrich, Weingut Karl Heidrich, Bacherach: Wenn sich die Trauben so darstellen, werden die Mittelrheinwinzer zufrieden sein. Foto: PR Weingut HeidrichMarkus Heidrich, Weingut Karl Heidrich, Bacherach: Wenn sich die Trauben so darstellen, werden die Mittelrheinwinzer zufrieden sein. Foto: PR Weingut Heidrich So haben wir Winzer nach der Blüte befragt. Austrieb, Wetter und Blütezeitpunkt geben Anlass zu Optimismus. Kleinmann: „Momentan sieht es in den Weinbergen sehr gut aus, doch etwas Regen könnte nicht schaden. Die Blüte verläuft kontinuierlich gut, und ich hoffe wieder auf einen guten Herbst 2014.“ Thomas Männle vom Weingut Andreas Männle im badischen Durbach gibt sich etwas vorsichtiger: „Die Blüte war extrem schnell vorbei, da die Temperaturen bis 38°C gingen. Durch diese extreme Hitze gab es, genau wie bei zu kalten Temperaturen unter 10°C, gerade bei den Burgundersorten etwas Verrieselungsverluste. Da jedoch noch einiges an Wetterkapriolen passieren kann, kann zu so einem frühen Zeitpunkt noch keine Prognose über die Menge oder Güte des 2014er Jahrgangs angestellt werden. Vielmehr hoffen wir, dass wir den Segen dieser Früchte, die jetzt angesetzt haben, im Herbst heil in unseren Keller einlagern können.“ Markus Heidrich vom Weingut Karl Heidrich in Bacharach am Rhein: „Der diesjährige Blüteverlauf war in unserem Weinbaubetrieb bei allen Sorten – vorwiegend Riesling, Burgunder-Sorten und Müller-Thurgau - von Blühbeginn bis Ende der Blüte mit vier Tagen sensationell schnell und mit einer enorm hohen Durchblührate (wenig Verrieselungen). Wir gehen davon aus, wenn das liebe Wetter mitspielt - die Mischung aus kontinuierlichen kleinen Regenschauern, gepaart mit vielen Sonnenstunden - dass wir eine normal Ernte haben werden, was der Ertrag angeht. Über die Qualität des 2014er kann und werde ich erst urteilen, wenn er im Fasskeller ist und sich probieren lässt. Wenn sich die Trauben in 2014 so darstellen wie auf dem beigefügten Foto, denke ich werden meine Kollegen und ich aus dem Mittelrheintal mit zufriedenen Gesichtern in den Herbst starten.“

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