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Markus Del Monego: Wie schmeckt rot

Eine launische doch letztlich applaudierende Rezension von Horst Kröber

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Von Dieter Simon  ·   21 Dezember 2017   ·   1246  
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Ich hatte schon das Vergnügen den Vorgängerband „Wie schmeckt trocken“ von Markus Del Monego zu lesen und rezensieren zu dürfen. Um es vorweg zu sagen: Dieser hat mir etwas besser gefallen als der Nachfolgeband „Wie schmeckt rot?“ Aber auch dieses Buch liest sich gut, da der Schreibstil flüssig und locker ist. Doch für Diejenigen, die den ersten Band gelesen haben finden sich, vor allem unter der Rubrik Sensorik, doch etliche Wiederholungen. Auch, bei einem Spezialisten wie DelMonego verwunderlich, habe ich ein paar fachliche Ungereimtheiten feststellenmüssen.

Rote Trauben, roter Wein?

So schreibt er zum wiederholten Male Spätburgunder und Pinot Noir in einem Zusammenhang, ohne dass es für den Leser deutlich wird, dass es sich dabei doch um ein und dieselbe Rebsorte handelt. Auch was das Thema Rotwein und Käse betrifft, kann ich mir eine Anmerkung nicht verkneifen. So schreibt Del Monego, dass man mit Liaison Wein und Käse aus der gleichen Region nichts verkehrt machen kann. Dies ist jedoch nur bedingt richtig und leicht mit nur einem Beispiel: Pinot Noir und Münsterkäse aus der Region Elsass, mehr als deutlich zu widerlegen. Völlig unverständlich ist auch seine Aussage: Bei roten Trauben ist das Fruchtfleisch nicht gefärbt, der Saft ist also relativ hell. Hier lässt er die gesamte Familie der Färbertrauben außen vor. Was ist mit Dunkelfelder oder Deckrot, um nur beispielhaft zwei zu nennen. Die Färbertrauben verfügen nicht nur über eine blauschwarze Haut, sondern auch über dunkelrotes Fruchtfleisch, so dass auch im Saft ein erheblicher Anteil roter Farbpigmente vorhanden ist, was den daraus gekelterten Wein besonders farbkräftig macht.

Roseweine werden immer besser

Seine Begründung wieso immer mehr Rose- Weine getrunken werden, kann ich auch nicht zu 100 % nachvollziehen. Für mich gibt es da eine ganz einfache Schlussfolgerung. Im Zuge des Rotweinbooms in den 90er Jahren war Rotwein knapp und man konnte ihn teuer verkaufen. So lag es eigentlich auf der Hand, aus den besten Rotweintrauben Rotwein zu produzieren. Die etwas schlechteren Qualitäten blieben dann den Roseweinen vorbehalten. Heute, wo verstärkt Weißwein getrunken wird, existieren immer noch die gleichen Weinbauflächen die mit Rotweinreben bestockt sind. Aber viele Produzenten werden ihre Rotweine nicht mehr los. Also was damit anfangen? Roseweine oder Pinot blanc Wein von gutem Traubenmaterial herstellen! Eine einfache aber logische Konsequenz.

Junger Wein trinkbar?

„Wein, dessen Gärprozess gerade abgeschlossen ist, ist noch nicht trinkbar“, ist eine weitere Aussage, die ich so nicht stehen lassen möchte. Natürlich ist solch ein Wein trinkbar! Er ist ja sogar schon trinkbar wenn er sich noch im Gärungsprozess befindet (Federweißer). Jeder Winzer wird seinen Wein, wenn er nach der Gärung auf der Feinhefe lagert, stets probieren müssen, um zu entscheiden, wann er dieses Hefelager beenden muss und der Wein seine optimale Aromatik besitzt.

Deutschland, Rotweinland?

Des Weiteren ist mir auch seine Gewichtung bei dem Kapitel „Wein kennen“ sauer aufgestoßen. Dies erinnert mich doch ein klein wenig an die Aussagen eines Robert Parker, wenn Del Monego Deutschlands Rotweinen gerade einmal gut drei Seiten widmet. 25 Seiten hingegen sind Gewächsen anderer Weinbauländer vorbehalten. Ohne dass man mir jetzt ein nationalistisches Mäntelchen verpasst: Es ist in vielen Passagen zu frankophil und das bei der Tatsache, dass deutsche Rotweine auch international Furore machen.

Subjektive Auswahl

Zum Schluss meiner Kritikpunkte möchte ich noch kurz anmerken, dass, wie auch bei manch anderen weinaffinen Büchern, die Nennung diverser Weingüter, sofern dieses nicht durch den Titel des Buches abgedeckt ist, mir immer wieder ein Dorn im Auge ist. Wie sagt man im Schwäbischen: Es haftet diesem ein „Geschmäckle“ an. Hier wäre eine Neutralität angebracht. Auch Del Monego müsste wissen, dass Weine probieren und beurteilen doch sehr stark subjektiven Vorlieben unterworfen ist, und dabei spreche ich, als Verkoster in manchen Jurys aus eigener Erfahrung. Dieses Buch ist kein Weinführer. Es hat den Anspruch, so steht es jedenfalls im Vorwort, Weinwissen in unterhaltsamer Form zu vermitteln.

Wein und Speisen

Dies ist in den meisten Kapiteln auch gelungen. Besonders interessant und spannend wird es immer dann, wenn sich Del Monego mit seinem ureigensten Metier beschäftigt: Weine und Speisen. Egal, ob dies bei Wein zum Grillen, bei Wein und Schokolade oder bei der Abhandlung „Im Rhythmus der Jahreszeiten“ und trotz erwähnter Ausnahme, auch beim Thema Wein und Käse ist. Hier sind seine Empfehlungen schlüssig und für jeden nachvollziehbar. Lesenswert auch, wenn er mit manchen Vorurteilen wie: Rotwein und Zimmertemperatur aufräumt, wenn er von Rebellen und schwarzen Schafen berichtet oder Geheimnisse eines Weinbergs ausplaudert.

Fazit

Auch „Wie schmeckt rot?“ ist ein Buch, in dem es Spaß macht zu schmökern, in dem man manch Wissenswerte erfährt und manchmal auch ein Schmunzeln nicht unterdrücken kann. Die angeführten Kritikpunkte schmälern den Lesegenuss nur
bedingt. Aber 90 von 100 Punkten, um bei der internationalen 100 Punkte Wertung der Weinverkostung zu bleiben, sind doch auch nicht schlecht, oder?
Horst Kröber
 
„Wie schmeckt rot?“
Markus Del Monego
Süddeutsche Zeitung Edition
ISBN 9783864974250
14,90 Euro
 
Coverbild: PR Verlag
 
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