Weinspiel
weinfuehrer-banner

Schwäbisch vegetarisch

https://www.bonvinitas.com/media/reviews/photos/thumbnail/780x560c/3e/fb/08/schwaebisch-vegetarisch-14-1458652354.png
Von Horst Kröber   2075  
Kommentare (0)
Cover: Ulmer VerlagCover: Ulmer Verlag

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Dies gilt für Vieles; in diesem Fall allerdings für das wunderschöne kleine Kochbuch „Schwäbisch vegetarisch“ von Joanna Karon.

Das machen, was man kann und das richtig gut, heißt die Devise. Alle Gerichte bestehen aus Zutaten die regional zu bekommen sind. Das Nachkochen dürfte niemanden vor große Probleme stellen. Der Untertitel des 130 Seiten starken Büchleins lautet: 50 gscheide Rezepte von Gaisburger Marsch bis Maultaschen. Dies weist schon die Richtung in die es geht. Frei nach Gerhard Polt, wird hier nicht nur deutsch (schwäbisch) geredet, sondern auch gekocht. Es macht einen Riesenspaß, sich durch dieses Buch zu lesen und mehr als einmal fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit, als man noch zusammen am Tisch gesessen und gegessen hat. In die Zeit, als die Großmutter Sachen auf den Tisch zauberte, die heute fast in Vergessenheit geraten sind oder keiner mehr weiß, wie sie zubereitet werden. Dass schwäbisch kochen mehr ist als die Zubereitung von Spätzle und Maultaschen, beweist Joanna Karon aufs Allerfeinste. Beim Aussuchen der Rezepte standen Liebe und Herzblut fürs Kochen und Backen Pate. Dies kommt nicht nur bei den kleinen Anekdoten oder Einführungen der Autorin, die sie vor jedes Rezept gestellt hat oder bei den vielen Tipps rund um die Zubereitung, zum Ausdruck.Dass den Spätzle ein etwas breiterer Raum gewidmet ist, wundert nicht. So sind Vorder- und Rückseite des Buches aufklappbar und der Leser erfährt neben dem Grundrezept für Spätzle, wie man Spätzle für Eilige zubereitet oder wie man sie auf elf verschiedene Arten variieren kann. Doch nicht nur Spätzlefreaks kommen bei dieser Lektüre auf ihre Kosten. Das Buch ist sehr übersichtlich gestaltet. Die Gerichte sind per Inhaltsverzeichnis schnell zu finden. Der Aufbau ist klassisch und reicht von Vesper und Vorspeisen über Salate und Suppen bis hin zu den Hauptgerichten und den Desserts. Auch Kuchenliebhaber finden in einem extra Kapitel Schmackhaftes zum Nachkochen.

Jedem Gericht ist eine Doppelseite gewidmet. Auf der rechten Seite sind die Gerichte abgebildet. Hier gebührt der Fotografin Ludmilla Parsyak ein dickes Lob. Ihre Fotos sind nicht wie in vielen Kochbüchern total durchgestylt, sondern zurückhaltend natürlich, mit dem Focus aufs Wesentliche. Rezepte und Zutatenliste finden auf der linken Buchseite Platz. Gut und hilfreich, dass die Autorin neben der Zubereitungszeit auch kleine Bemerkungen wie „braucht etwas Zeit“ oder „prima Fingerfood“ oder „mögen Kinder besonders gern“ dort eingestreut hat. Zutatenliste und Zubereitung sind gut gegliedert und für jeden verständlich.

Im ersten Kapitel wird mit „Vesper und pikant Gebackenem“ dem „kleinen Hunger“ Rechnung getragen. Wer bekommt keinen Appetit, bei frischen, knusprig gebackenen „Seelen“ oder Laugengebäck. Wem läuft bei „Mitschele mit Luckeleskäs“ oder „Kartoffelbrot mit Zwiebelschmalz“ nicht schon beim Namen das Wasser im Mund zusammen. Egal, ob zur Herbst- oder Winterzeit Zwiebelkuchen, Kartoffel-Kräuterkuchen oder Wirsing-Quiche hungrige Mäuler füllen oder „Dinnete mit Kartoffeln“ die jüngeren Leckermäuler zum Schwelgen bringt. Ob bei nasskaltem Wetter eine cremige Kartoffelsuppe mit Brezelcroutons oder eine „Riebelesuppe“ die Seele wärmt, oder ob man es sich bei einem urigen „schwäbischen Kartoffelsalat“ oder einem Knödelsalat gut gehen lässt. Es sind die „einfachen“ Dinge die Spaß machen, die schmecken, bezahlbar sind und deren Zutaten quasi vor der Haustür wachsen. Wer es etwas exklusiver will, bitteschön: wie wäre es mit „Hüttenkäsenocken auf Rote Bete Carpaccio“. Bei den Hauptgerichten geht es dann ums richtig satt essen. Gemüsemaultaschen, Krautkrapfen oder etwas raffinierter, „Brezelknödel-Gugelhupf mit Frühlingsgemüseragout“ bis hin zu Schupfnudeln und Kässpätzle. Der Leser erfährt was „Laubfrösche“ sind, was sich hinter einem deftigen „Ofenschlupfer“ verbirgt und warum man zum weißen Spargel unbedingt „Kräuterkratzete“ machen sollte. 

Spätestens jetzt kann sich kaum beherrschen und möchte unbedingt an den Herd. Aber es kommt ja noch das Kapitel für Süßmäuler und Kuchenliebhaber. „Dampfnudeln mit Mohn und Vanillesauce“, „Grießschnitten mit Beerensauce“, „Träubleskuchen mit Baiser“ oder ein ganz normaler Hefezopf. Mit dem „Trollinger Rührkuchen“ kommt sogar des Schwaben liebstes Getränk zum Einsatz. Wer sich auch jetzt noch beherrschen kann und nicht schon die Schürze umgebunden hat, wird mit vielen leckeren Dessertvorschlägen belohnt. Hier zieht Joanna Karon noch einmal alle Register. Süß, raffiniert und verführerisch, ja unwiderstehlich sind sie, die kleinen Leckereien. Wer kann zu einem „Apfel-Krokant-Becher“ einem „Pfitzauf mit Kirschkompott“ oder einer Weinschaumcreme auf Weintraubengelee“ schon nein sagen. Am Schluss des Buches kommt sogar der Klerus mit „Nonnenfürzle mit Zimtzucker und Vanilleeis“ ins Spiel und segnet das Ganze ab. 

Fazit: Das Büchlein verspricht nicht zu viel. Die vegetarischen Rezepte sind mehr als nur „gscheid“. Karon hat sogar an die „Veganer“gedacht und bei vielen Rezepten diesbezügliche Tipps gegeben. Wann immer man jemand ein kleines aber feines schwäbisch-vegetarisches Kochbuch schenken möchte, sollte dieses, die erste Wahl sein. Dies gilt natürlich auch für den Eigenbedarf. 

„Schmeckt Groß und Klein – und auch Nichtschwaben“, steht auf der Rückseite des Buches.

Stimmt !! 

Schwäbisch vegetarisch
Joanna Karon
Ulmer Verlag
ISBN 978-3-8001-1268-5
128 Seiten
16,90 €, E-Book 12,99 €

Rezension: Horst Kröber

 

Schlagwörter:


Teilen ...

Benutzer-Kommentare

Es gibt noch keine Benutzer-Kommentare.

Web Analytics