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Starkoch Armin Röttele sagt auf Wiedersehen in Schloss Neuweier

Seine Ziele und die der Schlosseigentümer ließen sich nicht vereinen

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Am 26.6.2020 stand Armin Röttele zum letzten Mal am Herd in Schloss Neuweier und verabschiedete sich von den Mitarbeitern, wobei das Bild entstand. Von links: Sabine Röttele, Armin Röttele und Sohn Lorenzo Röttele. Foto: Klaus SchultesAm 26.6.2020 stand Armin Röttele zum letzten Mal am Herd in Schloss Neuweier und verabschiedete sich von den Mitarbeitern, wobei das Bild entstand. Von links: Sabine Röttele, Armin Röttele und Sohn Lorenzo Röttele. Foto: Klaus Schultes
Für Armin Röttele und Ehefrau Sabine Röttele ist es nach 16 Jahren ein Abschied, der sie traurig stimmt. Seit einigen Jahren sind Klaus und Robert Schätzle Eigentümer von Schloss Neuweier, Weingut und Schloss. Robert Schätzle ist Diplom Oenologe. Die Immobilie gehörte zuvor dem Architekten Joos. Das Architekturbüro Joos war maßgeblich an den Planungen des  Neubaus des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens beteiligt. Das verdiente Geld sollte in etwas völlig anderes investiert werden: Hochklassige Gastronomie war die erste Wahl; Kulinarisches und Wein. Eine treffliche Kombination für beide Parteien. Rötteles waren in aussichtsreichen Verhandlungen, die Residenz zu kaufen und weiter zu entwickeln. Doch Joos verstarb. Dennoch übernahmen Rötteles das Restaurant von den neuen Eigentümern als Pächter und führten es zu anerkannten und von den Gästen vielfach geliebten und geschätzten Michelin-Stern-Höhen.
 
Doch in jüngster Zeit drängten andere Vorstellungen der Eigentümer in den Vordergrund. Sie möchten das Schloss mehr als Plattform für Wein und das Weingut sehen. Gemäß Rötteles habe Schätzle Senior die konstruktiven Lösungs Vorschläge zur Rettung der Residenz von Armin und Sabine mehr oder weniger ignoriert. Dazu Sabine Röttele: „Armins kulinarische Ideen und Trends konnten sich in den vergangenen 16 Jahren unbeirrt entfalten. Immer im Sinne all unserer langjährigen, treuen Besucher und Stammgäste aus dem nahen Frankreich, der Schweiz und auch aus dem kulinarisch und Gourmet affinen Großraum Baden-Baden und dem Schwarzwald.“

Leider fand sich kein Kompromiss

Der Tenor, mit dem das Ende aller Bemühungen kommuniziert wurde, zeigt deutlich, dass beide Seiten nicht zu Kompromissen fanden. Armin und Sabine Röttele betonten, dass die kreative und leidenschaftliche Küche von Armin dem Unternehmen Rötteles Residenz eine hohe und stabile Quote an Stammgästen beschert hatte. Sie lag bei etwa 80 Prozent, bei gleichbleibender und stabiler Tendenz. Doch trotz der für die gesamte Gastronomie schwierigen Zeit kam mit den Inhabern, vor allem Schätzle Senior, kein Konsens zustande. Zu Gerüchten und Zukunftsplänen wollen und werden sie erst dann Stellung nehmen, wenn die Zukunft und das Konzept den gleichen Standard haben, wie jenes, das ihnen in der Vergangenheit so viel Erfolg und auch internationale Anerkennung gebracht hat. 

Die neuen Ziele der Eigentümer Schätzle

Klaus und Robert Schätzle, die zugleich auch Betreiber des berühmten Weingutes sind, möchten zukünftig den Fokus mehr auf Wein und Events ausrichten. Die gesamte Location soll als Event Plattform neue Schwerpunkte in Neuweier setzen. Die langen und intensiven Gespräche zwischen Sabine und Armin Röttele und den Inhabern, haben nicht zu einem für beide Seiten akzeptablen Konzept geführt. Sabine Röttele hat das Restaurant mit 80 Plätzen gemanagt, ebenso wie das Hotel mit acht Doppelzimmern und zwei Suiten. Das kleine Hotel im Burgbereich wurde schnell zu einer ersten und noblen Adresse. Sabine Röttele, ausgebildete Sommelière, war ebenso wie Armin Röttele, maßgeblich für die gesamte Qualität verantwortlich, die zur Verleihung des Michelin Sternes im Jahre 2006 führte. Und den die Residenz bis zu ihrem letzten Tag behalten wird.

Nun wünschen sich die Inhaber nach acht Jahren eine deutlich stärkere Ausrichtung auf Wein. Die Lage um Neuweier gehört zu den renommiertesten in Deutschland. Die Rebhänge haben sie ebenfalls erworben. In Zukunft sollen Events, die Winzer-Produkte in den Fokus der Aktivitäten rücken. Vor allem der mittelalterliche Innenhof um die Feste herum soll in Zukunft mehr Party-Ground  und Event Plattform sein und auch dementsprechend genutzt werden. Auch die Region, das Rebland, soll mit einbezogen und quasi zu einer Art Gesamtkunstwerk umgestaltet werden. Das Restaurant und das kleine Hotel sollen keine Hauptrolle mehr spielen.

Lob von Schätzles

Robert Schätzle lobt Armin Röttele und Gattin Sabine durchaus: „Beide haben einen guten Job und ihrem Beruf alle Ehre gemacht.“ Und Corona, in diesem Punkt sind sich beide Seiten einig, habe keinen Einfluß auf die vorzeitige Trennung gehabt. Dazu noch einmal Armin Röttele: „Wir sehen das als Chance an. Wir werden uns umschauen, dabei aber Zeit lassen, denn die Art der Küche, wie ich sie aus dem Tessin mit nach Neuweier gebracht habe, hat sich bewährt und hat unsere Gäste immer wieder überzeugt.“

Das Finale

Der Pachtvertrag wäre erst im Dezember 2023 ausgelaufen. Röttele, der immer der Leidenschaft für den Job und der Qualität der Produkte oberste Priorität einräumt, spricht dennoch ganz nüchtern von einem normalen Vorgang, wie er in jeder Partnerschaft vorkommen kann. Man passt einfach nicht mehr zusammen. Und so verfassten Armin und Sabine Röttele eine kurze und knappe Nachricht an Geschäftspartner, Gäste und das Personal:

„Auch nach langen Gesprächen mit der Inhaber Familie konnten wir uns nicht auf ein einheitliches Konzept einigen. RÖTTELE’S RESTAURANT & RESIDENZ im Schloss Neuweier wird daher zum 30. Juni des Jahres 2020 das Restaurant und das Hotel schließen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nehmen wir Abschied von einer  einzigartigen Wirkungsstätte und mit tollen Gästen und einem wunderbaren Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Über das, was die Zukunft bringt halten wir Sie auf dem Laufenden. Wann und wo und wie ist noch nicht sicher. Aber wir kommen wieder… und das ist sicher! Die Zeit der Veränderung ist gekommen.“ 

Kochen wird für Armin eine Leidenschaft bleiben

Armin Röttele hat sich, seit er 1994 im Tessin im Restaurant Aphrodite im Hotel Giardino Chef wurde, der cucina della passione  der mediterran ausgerichteten Küche verschrieben. Diese kulinarische Philosophie hat er verinnerlicht, zum Prinzip des Genusses erhoben. Sie ist zu seinem Markenzeichen geworden, vergleichbar einem Fingerabdruck, der aber anders als dieses körperliche Merkmal, durchaus variabel ist. Das bescherte ihm hohe Auszeichnungen und internationale Reputation und er wurde mit dem Titel Bester Hotelkoch der Schweiz ausgezeichnet. Und dem allen wird er auch weiterhin treu bleiben. Wo auch immer, wann auch immer und in welcher gastronomischen Konstellation er in Zukunft arbeiten wird. 

Zwei erfolgreiche Karrieren: Armin und Sabine Röttele. Und eine erfolgreiche dritte scheint nicht ausgeschlossen… Armin Röttele kommt 1966 im Schwarzwald zur Welt, Sabine Röttele erblickt 1966 in Waldkirch in Baden-Württemberg  das Licht der Welt. Im Jahre 2003 wird der gemeinsame Sohn Lorenzo Ricardo geboren. Er hat sich entschieden, ebenfalls Kurs auf eine kulinarische Karriere zu nehmen.

„Leider ist es ein Einschnitt, der mich nach so vielen Jahren erfolgreichen Wirkens unendlich traurig macht“, betont  Armin Röttele immer wieder. Beide Rötteles sind beide leidenschaftliche Harley-Davidson Fahrer. Armins Maschine ist mint-metallic lackiert. Nun freut sich das Ehepaar schon auf eine zweite rosafarbene Maschine, die der Sohn von Armins Mentor, Hans C. Leu seinem Filius Hitsch Leu vererbt hatte. Sollte dieser an dem Bike mit dem blubbernden Sound kein Interesse haben, darf er es nur Armin Röttele zum Kauf anbieten. So geschehen. In Kürze wird die rosa Harley in den Besitz der Rötteles übergehen. Vielleicht ein positives Signal: Gemeinsam durchstarten und mit Bedacht und Vollgas in die Erfolgsspur der Qualität zurückkehren.


Die wichtigsten Stationen des Armin Röttele, von 1985 bis 2002:

Hotel Colombi, Freiburg, 1 Stern Michelin, 17 Punkte Gault-Millau
Steigenberger in Gstaad, 
Steigenberger Hoteleröffnung in Side, Türkei
Sporthotel Traube Tonbach, Baiersbronn
Hotel Albona, Zürs am Arlberg
Bürgenstock Hotels, Restaurant Le Club 16 Punkte Gault-Millau, Luzern
Rheinhotel Fischerzunft, Relais Gourmands, André Jäger,  Asiatische & Europäische Küche, Schaffhausen, 19 Punkte Gault-Millau
Hotel Haus Paradies, Relais Gourmands Roland und Brigitte Jöhri, Regionale Graubündner & Französische Küche, Ftan (Schweiz), 18 Punkte Gault-Millau
 
1994 bis 2002 Küchenchef im Restaurant Aphrodite in der Albergo Giardino Relais & Chateaux, Ascona, 16 Punkte Gault-Millau, Hotelier Hans C. Leu.
Dort war Armin Röttele acht Jahre lang für die kulinarische Visitenkarte des Restaurants Aphrodite im Hotel Giardino verantwortlich. Er präsentierte den bis zu 150 Gästen, täglich 17 verschiedene Gerichte. Dabei ließ sich  Armin Röttele von der italienisch-mediterran, phantasievollen und leichten Küche des Südens inspirieren.
Gault-Millau lobt Röttele als einen der besten Schweizer Hotelköche und erhöht sein Rating auf 17 Punkte.
Gault-Millau zeichnet das Giardino 1998 mit dem Titel Hotel des Jahres aus. Es bleibt bis 2000 die Nummer EINS der Schweizer Ferien Hotels, so das Schweizer Wirtschaftsmagazin BILANZ.
 
Weitere Stationen:
Enoteca Pinciorri, Florenz
Hotel Peninsula, Hong Kong
Anton Moisimann, London
Hotel Martinez, Cannes
Schlosshotel Lerbach, Relais & Chateaux, Restaurant Dieter Müller
 
Gastkoch bei internationalen Anlässen und mit internationalen Partnern:
UBS Privat Banking in München, Baden-Baden, Berlin und Sylt
Davidoff Gourmet Festival auf Sylt
Gastkoch im Schloss Meggenhorn, in Zusammenarbeit mit dem Hotel Des Balances, Luzern
Gastkoch im Restaurant Achtstube in den Grand Hotels Bad 
Ragaz in der Schweiz
Davidoff Gourmet Festival in Gstaad und beim Gourmet Festival in St. Moritz
 
Sabine Röttele begleitet ihren Mann Armin zu fast allen Tätigkeiten im In- und Ausland. Zu den Ausnahmen gehört das Silence Hotel Hirschen im Glottertal sowie das Hotel La Rocca in Porto Rocco im Tessin und dem ebenfalls in der italienischen Schweiz gelegenen Hotel Villa Cäsar ebenso wie das Restaurant Jöhri’s Talvo in Champfer in der West-Schweiz, einem Restaurant, das mit zwei Michelin Sternen und 18 Gault-Millau Punkten ausgezeichnet wurde. 
 
Zwischen 1997 und 2000 ist  Armin Röttele als Co-Autor an einigen Kochbüchern beteiligt. Im Jahre 2001 erscheint Armin Rötteles erstes eigenes Kochbuch  im AT Verlag Aarau, in der Schweiz; La cucina della Passione. Dieses Buch wird noch im Jahr seines Erscheinens in Madrid mit dem Gourmand World Cookbook Award 2001 ausgezeichnet und außerdem  zum Best Italian Cuisine Book 2001 gekürt.
 
Am 24. September 2004 wird in Neuweier bei Baden-Baden Röttele’s Restaurant & Residenz im Schloss Neuweier eröffnet.
 
Armin Rötteles berufliche Weiterbildung und Qualifikationen von 1985 bis 2001
Ausbilder Eignungsprüfung, Italienisch-Kurs in Florenz, Englischkurs in New York, Seminare für Teambildung und Management (Bernd Remmers  Consulting) im Hotel Giardino in Ascona.
 
Sabine Rötteles berufliche Weiterbildung und Qualifikationen von  1984 bis 2002
Ausbilder Eignungsprüfung der staatlich anerkannten Hotelfachschule Lötscher (Schweiz)
Italienischkurse in Florenz und Locarno, Englischkurs in New York, Kommunikations-Seminare von ManderZanetti & Partner im Hotel Giardino in Ascona
2002 Weinhandels Diplom des Berufszentrums Wädenwil (Schweiz)

Gäste, Freunde, Vorbilder

Die Residenz Neuweier wurde in all den Jahren von Gästen besucht, die Vergnügen an erstklassigem Essen, und an ausgesuchten Weinen hatten. Einige von ihnen sind  Sabine und Armin Röttele in besonders guter Erinnerung geblieben:
Senta Berger und Michael Verhoven, an Senta Berger faszinierte ihre Ausstrahlung die Rötteles.
Anna Netrebko, die die Rötteles als herrlich normal und unkompliziert erlebten.
Wladimir Klitschko, Frank Elstner und Gunter Sachs waren ebenfalls häufig zu Gast in Neuweier.
Schauspieler Wolfgang Fierek war als Feinschmecker und Biker Kumpel oft zu Gast in Neuweier.
Günter Maria Halmer bevorzugte den Loup de mer in der Salzkruste, wenn  er in Neuweier war.
Hans C. Leu war für Armin immer ein Vorbild, weil er ein unbeschreibliches Charisma und einen einzigartigen Führungsstil pflegte.
Roland Jöhri verstand es, stets ein top motiviertes Team aufzubauen, war immer sehr kollegial und fair im Umgang mit den Mitarbeitern und blieb dabei immer bodenständig.
 
Text: Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas; Recherche: Alexander Wischnewski
 
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