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Kork: der freche und kaum zu zähmende Roman auf der Spur des Weins

vom super Genießen bis zum rüden Ausspucken - alle Geschichten dabei

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Von Horst Kröber  631  
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„Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust…“ Das Goethe Zitat aus Faust I als Einstieg in eine Rezension ist sicherlich außergewöhnlich. Aber wer sich das Buch „Kork“ von den beiden Autoren Sophia Fritz und Martin Bechler „reinzieht“ (um einmal in deren Jargon zu verfallen) vielleicht verständlich. Man weiß zunächst nicht, wo man dieses Werk einordnen soll. Wenn man sich fragt: Was will uns dieses Buch sagen, was ist die Botschaft, wird man sicherlich keine adäquate Antwort erhalten. Schon von der Stilistik her ist eine Einordnung schwierig. Es ist eine wilde Mischung zwischen Essay und Kurzgeschichte, zwischen Satire und Polemik. Geschliffene Sätze und Formulierungen im Stile eines Wiglaf Droste wechseln ab mit der teils rüden Fäkalsprache eines Ingo Appelt, wobei leider Letzterer oft die Oberhand behält. Lange Schachtelsätze wechseln sich ab mit kurzen prägnanten Aussagen. Bemühungen, mit schnoddriger Jugendsprache, gängigen Anglizismen und diversen Deftigkeiten einen eigenen Stil zu kreieren, geraten eher kontraproduktiv. Hingegen sind einige Passagen tiefsinnig, gar philosophisch weitblickend.

Im Mittelpunkt des Buches stehen die zwei Protagonisten, 

Sophia Fritz und Martin Bechler. Foto: privatSophia Fritz und Martin Bechler. Foto: privatderen Vornamen identisch sind mit denen der beiden Autoren, und der Wein in all seinen Facetten. Welcher Wein zu welcher Gelegenheit oder umgekehrt zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Buch. Sieben Kapitel mit wiederum unterteilten kleinen Geschichten oder Anekdoten  wie „Beim Etikettensaufen“, „Wenn man seinen Exfreund im Supermarkt trifft“, „Onkel Hubertus“ oder „Bei Liebeskummer“ bieten wunderbare Ansätze, um über Gott und die Welt zu räsonieren, zu abstrusen Gedankenspielen zu kommen und den Wein quasi als Katalysator zu gebrauchen um diese Gelegenheiten flüssig zu begleiten. So benutzt der Protagonist Martin einen Barbera als den Wein, den man sich „unaufgeregt an die Backe klatschen kann“ oder, wenn ihm das Geschwafel der Weinexperten (Leder Trüffel, Mergel Lakritze) zuviel wird: „Barbera ist wie süße Medizin. Barbera heißt: Halt doch einfach mal die Fresse. Schalt mich ab.“ Noch heftiger wird es dann, wenn selbiger sich über „fancy Namen“ diverser Weine in einer Szene Vinotage mit folgenden Worten auslässt: „Es muss viel passieren, bis ich trotz eines gelungenen Türschilds auf der Pulle, die Suppe mit den Worten, Leck mich am Arsch, was für eine Scheiße, gegen die grob verputzte Wand spucke.“

Umso erstaunlicher dann, wenn es heißt: „Ich liebe den Wein in all seinen endlosen, wundersamen Variationen. Mich fasziniert von Traube zu Traube, von Jahrgang zu Jahrgang die visionäre Kraft des Winzers aus den Zutaten von Wetter, Böden, Rebe und Geduld und Liebe in vergleichsloser Entschleunigung das ganze Jahr über am bestmöglichen finalen Schmelz zu tüfteln.“

Es sind diese Gegensätze, 

die dieses Buch ausmachen, dort ein bisschen Dadaismus, ein wenig Nonsens, eine Brise Blödsinn gewürzt mit einer Messerspitze Sarkasmus und Zynismus und an andere Stelle tiefschürfende Erkenntnisse und Spekulationen. Man macht Bekanntschaft mit einer Glühweintante, einem Nazionkel und einem Vertreter der jetzigen Bundesregierung, erlebt Sex 1 und Sex 2,  begegnet Greta und räsoniert über die erste Therapiestunde.

Lassen wir die Gegensätze

Ich muss gestehen, ich tat mich oft schwer damit, mich durch die oft rüde Sprache zu kämpfen. Wären nicht diese feinen Zwischentöne gewesen, die mich davon abgehalten haben, das Buch einfach zuzuschlagen. Diese haben mich dann doch oft schmunzeln und kopfnickend weiterlesen lassen. So wetteifern zwar letztlich immer noch zwei Seelen in meiner Brust, aber vielleicht soll dies so sein. Lassen wir dem Buch diese Gegensätze. Vielleicht sind es gerade die, die seinen Wert ausmachen. Es lohnt sich allemal es auszuprobieren und eigene Erkenntnisse zu sammeln.

Text: Horst Kröber

Kork
von Sophia Fritz und Martin Bechler
kanon – verlag
gebunden, 23 Euro
ISBN 978-3-98568-017-7

Aufmachermontage: bonvinitas; Buchcover: Verlag; Foto Aufmacher: OSTAPENKO ANT0N - Adobestock

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