Weinspiel

Weinbewertung v. 17.6.2019: Sehr gute Müller-Thurgau Spätlese lieblich und zwei große edelsüße Auslesen, Regent und Gewürztraminer

Die jeweils besten der Kategorien 3, Weine mit Restsüße, und 4, edelsüß

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Weinbewertung v. 17.6.2019: Sehr gute Müller-Thurgau Spätlese lieblich und zwei große edelsüße Auslesen vom Weingut und Weinhaus Ernst und Adolf Behringer. Die besten der Kategorien 3 und 4. Im Bild die engagierten Weinmaker Bernd und Thomas BehringerWeinbewertung v. 17.6.2019: Sehr gute Müller-Thurgau Spätlese lieblich und zwei große edelsüße Auslesen vom Weingut und Weinhaus Ernst und Adolf Behringer. Die besten der Kategorien 3 und 4. Im Bild die engagierten Weinmaker Bernd und Thomas Behringer
Trocken oder nicht ist ja keine Religion, sondern wo es passt! Hier die besten unserer Weinbewertung vom 17.6.2019 der Kategorien 3, Weine mit Restsüße, orange Punkte, und Kategorie 4, edelsüß, violette Punkte. Wie immer werten neutrale Prüfer in Blindproben (unser Bewertungssystem). Die besten probiere ich dann nach, um sie hier vorzustellen:

89 Punkte

in der Kategorie 3 erzielte die 2018 Müller-Thurgau Spätlese lieblich Meersburger Sonnenufer Baden, 12 % Alkohol, vom Winzerverein Meersburg, zu der ich notiert habe: Laute, fruchtige Nase mit Anklängen an Apfelkompott, Biskuit, Zitronat; fruchtiger, einnehmender Körper von opulenter, gut abgestimmter Süße mit kraftvollem Schmelz als Unterbau sowie mit Anklängen an frische Pfirsiche unterlegt; wunderschön gebautes, fruchtiges Finish von herrlicher Eleganz. Ein Wein wie ein Schloss-Damensalon mit gut 5 bis 6 Jahren weiterem Potenzial und bestens passend als 5-Uhr-Tee-Schoppen, zu Buttergebäck, Weincreme oder Teestollen.

Der Winzerverein Meersburg

Meersburg am Bodensee mit Blick auf die AlpenMeersburg am Bodensee mit Blick auf die AlpenMüller-Thurgau hat am Bodensee viel Tradition, wurde die Sorte doch 1882 von dem Schweizer Hermann Müller-Thurgau, der aus dem Schweizer Kanton Thurgau quer über den See stammte, an der Forschungsanstalt Geisenheim im Rheingau gezüchtet. So ist sie beim Winzerverein Meersburg, wo 30 engagierte Winzerfamilien 50 Hektar Reben bewirtschaften, eine wichtige Sorte. Obendrein bildet der Bodensee für den Weinbau ein ganz besonderes Terroir. Hier wachsen die Reben bis 500 m Höhe sowie großenteils auf eiszeitlichen Endmoränen. Unter der Lössauflage befindet sich sogenannter Moränenschotter, sehr kalkhaltig und aus vielen großen runden Steinen bestehend, die der Gletscher hinterlassen hat. Darin können die Reben tief wurzeln und aller Art Mineralien aufnehmen. Außerdem versickert überschüssiges Wasser schnell. Zudem dient der See in kühlen Herbstnächten als Wärmespeicher, und die Morgennebel bringen die erwünschte fein dosierte Feuchtigkeit, mit denen die Reben ihre Aromen bilden.

92 Punkte – hervorragende Regent Auslese edelsüß

92 violette Punkte in der Kategorie 4, edelsüß, errang die 2017 Regent Auslese Britzinger Sonnhole Deutscher Prädikatswein Baden, 10 %, vom Weingut und Weinhaus Ernst und Adolf Behringer in Müllheim-Britzingen im südbadischen Markgräflerland: tiefer, fruchtiger, ja tropischer Duft mit Noten von Cassis, Haselnussschokolade, Mango, Preisel- und Heidelbeermarmelade und einem Hauch Wacholder; auf der Zunge ein üppiges, mundfüllendes Bad in Frucht, allseits gut ausgepuffert mit edler Süße; fruchtiges Finish mit Schokoladenoten. Ein Rotwein, der mich an eine Vollmondnacht mit Nachtigallenschlag erinnerte, mit gut 10 Jahre Potenzial und sehr schön als Dessertwein, insbesondere zu Schokoladenspeisen wie auch zur dunklen Zigarre.

93 Punkte – großartige Gewürztraminer Auslese edelsüß

Mit 93 violetten Punkten bedachten unsere Prüfer die 2016 Gewürztraminer Auslese Britzinger Sonnhole Deutscher Prädikatswein Baden, 10 %, ebenfalls vom Weingut und Weinhaus Ernst und Adolf Behringer in Müllheim-Britzingen: Im Duft wie eine tropische Nacht mit Noten von Mango, Maracuja, Ananas, kandierte Früchte, Orangeat und einem Hauch Ingwer; ebenso üppiger Körper wie ein Korb tropischer Früchte unterlegt mit einem kleinen Anflug Kokos; im Finish wie die Fahrt in eine tropische Nacht. Eine große edelsüße Auslese, die an eine Beerenauslese tippt, und dabei doch schöne Frische zeigt. Bravo! Zum weiteren Entwicklungspotenzial wage ich die Aussage 20 Jahre, in denen der Tropfen zusätzlich herrliche Honignoten entwickeln dürfte, weil ein Teil der Süße langsam karamellisiert. Ein Wein, der für sich steht, als Aperitif, zum Anstoßen bei Anlässen oder als Dessertwein nach dem Kaffee. 

Weingut und Weinhaus Ernst und Adolf Behringer

Blick auf den südbadischen Weinort Britzingen am Saum des SchwarzwaldsBlick auf den südbadischen Weinort Britzingen am Saum des SchwarzwaldsDas Weingut Behringer in Müllheim-Britzingen im südbadischen MarkgräflerlandDas Weingut Behringer in Müllheim-Britzingen im südbadischen Markgräflerland

2004 übernahmen die jungen Weinmacher Bernd und Thomas Behringer in 4. Generation das in Müllheim-Britzingen im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz gelegene und bereits 1893 gegründete Weingut. Bernd, Dipl.-Ing. für Weinbau und Önologie, ist zuständig für die Weinberge und Thomas, staatl. geprüfter Weinbautechniker, für den Ausbau sowie die Vermarktung. Bernd: „Wir haben schon seit einiger Zeit auf die Spezialität edelsüße Weine gesetzt, natürlich ohne anderes zu vernachlässigen. Wir arbeiten schon im Sommer gezielt darauf hin, dünnen stark aus und düngen mit Kalk. Dadurch werden die Beerenhäute dicker und bleiben durch das zusätzliche Entlauben der Traubenzone gesund. So können wir auf ein natürliches, rosinenartiges Eintrocknen setzen, ohne dass die Trauben einen Botrytis-Pilzbefall bekommen.“ Der Regent, eine in den letzten 70er-Jahren neu gezüchtete Rotweinrebe, die weniger Schädlingsbekämpfung benötigt, stammt aus einem 18 Jahre alten Weinberg und wurde mit 114° Öchsle gelesen. Der Gewürztraminer stammt aus zwei Parzellen mit 10 bzw. 35 Jahren und wurde mit 109° Öchsle geerntet. Thomas: „Höher lassen wir die Öchslegrade nicht kommen, damit die Weine nicht zu alkoholreich und schwerfällig werden. Und den Regent lassen wir stets länger im Holzfass reifen, denn die zarte Sauerstoffzufuhr durchs Holz tut ihm gut.“

Text: Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas. Aufmacherkombination: bonvinitas, Foto Meersburg: Jens Baumann, Adobestock; übrige Fotos: PR.

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