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Weinspiel

Auswirkung von erhöhtem CO2-Gehalt der Luft auf den Weinbau: kein Schrecken!

Ministerin Julia Klöckner macht sich ein Bild anhand der Versuchsanlage in Geisenheim

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Auswirkung von erhöhtem CO2-Gehalt der Luft auf den Weinbau - Ministerin Julia Klöckner macht sich ein Bild anhand der Versuchsanlage in Geisenheim. Links: Prof. Manfred Stoll, Hauptbetreuer des Projekts, im Hintergrund die CO2-GebläseAuswirkung von erhöhtem CO2-Gehalt der Luft auf den Weinbau - Ministerin Julia Klöckner macht sich ein Bild anhand der Versuchsanlage in Geisenheim. Links: Prof. Manfred Stoll, Hauptbetreuer des Projekts, im Hintergrund die CO2-Gebläse
Seit 2014 betreibt die Hochschule Geisenheim University eine Versuchsanlage, um Auswirkungen eines erhöhten CO2-Gehalts der Luft auf den Weinbau zu untersuchen. Kurz gesagt lautet das Ergebnis: Bei den Reben wird alles größer, direkte negative Auswirkungen gibt es keine, die Weine bleiben normal.
 

2014 wurden zunächst drei von sechs Gebläseringen mit einem Durchmesser von 12 Metern in einer 2012 gepflanzten Anlage von Cabernet Sauvignon und Riesling installiert. „Cabernet Sauvignon, weil es die weltweit meist angebaute Rebsorte ist“, wie Hochschulpräsident Prof. Reiner Schultz anlässlich des Besuchs der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, erläuterte, die das Projekt am 5. Oktober 2020 besuchte, um sich einen persönlichen Eindruck darüber zu verschaffen, wohin die Reise bei zunehmendem CO2-Gehalt der Luft im Weinbau geht.

Das CO2-Gebläse arbeitet ganzjährig je von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. So ist wird der natürliche CO2-Gehalt der Luft innerhalb des Rings und in unmittelbarer Umgebung im Schnitt um ca. 20% erhöht. Zu beobachten war, dass sich das Wachstum der Reben und damit die Biomasse erhöht. Der erhöhte CO2-Gehalt bewirkt praktisch einen Düngeeffekt. Der Pflanze wird vermehrt CO2 angeboten, was sie offensichtlich per Fotosynthese aufnimmt und sich auch im verstärkten Wachstum der Seitentriebe zeigt. Bei zweimaligen Laubarbeiten pro Jahr konnte eine um ca. 20% erhöhte Biomasse gegenüber der Norm festgestellt werden. Sowohl der Riesling wie der Cabernet Sauvignon lieferten einen vergleichsweise um 10 bis 15% höheren Ertrag. Die Cabernet Trauben zeigten sich kompakter, die Rieslingtrauben größer und breitschultriger mit vergleichsweise mehr Beeren. Im Mostgewicht zeigten sich jedoch keine Unterschiede, es lag eher um 1 bis 2° Öchsle niedriger, was man der erhöhten Beschattung der Trauben durch die größeren Blätter zurechnet. Allerdings benötigen die Reben mehr Wasser. Es war ein erhöhter Wasserfluss in den Pflanzen zu messen, was sich bei zunehmender Trockenheit negativ auswirken könnte.

Ein verstärkter Pilzdruck war nicht festzustellen. Es genügte die übliche Schädlingsbekämpfung. Auch war kein erhöhter Botrytis-Befall zu beobachten. Schultz: „Bei den Insekten konnten wir allerdings ein verstärktes Größenwachstum beobachten und vielfach eine Generation mehr als üblich.“

Bei den Weinen war kein Qualitätsunterschied zu vermerken, allenfalls ein geringfügig höherer Säuregehalt des Mosts, vor allem Äpfelsäure. Der Stickstoffgehalt und damit die Ernährung der Hefen zeigte sich normal.

Das Forschungsprojekt ist auf 10 Jahre angelegt und wird von mehreren Wissenschaftlern und Instituten begleitet, insbesondere von Manfred Stoll, Professor für allgemeinen Weinbau und Leiter des Instituts für allgemeinen und ökologischen Weinbau an der Hochschule Geisenheim University, sowie von Dr. Susanne Tittmann. Von Yvette Wohlfahrt, die als Doktorandin von 2014 bis 2017 intensiv in das Projekt eingebunden war und kurz vor ihrer Promotion über dortige Effekte steht, erhielten wir viele der obigen Informationen. 

Text und Foto: Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas

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