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„Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens“

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Von Horst Kröber  2331  
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Cover: Nünnerich-Asmus Verlag & MediaCover: Nünnerich-Asmus Verlag & Media

Woran denkt man, wenn man dies hört? Kommen einem nicht dabei Poesie, grüne Reblandschaften, Rebsorten, diverse Trinksprüche etc. in den Sinn. Weit gefehlt. Dieses 270 Seiten umfassende Buch ist alles andere, nur keines in dem man das „Übliche“ diverser Weinbücher liest. Wen wundert es, bei den drei Autoren, die sich für die Arbeit an diesem Buch zusammengefunden haben.

Heinz Decker ist Professor und Leiter des Instituts für Molekulare Biophysik an der Johannes- Gutenberg- Universität Mainz.

Helmut König ist Professor und Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Weinforschung an der gleichen Uni.

Wolfgang Zwickel ist Professor für Altes Testament der Evangelisch-Theologische Fakultät ebenfalls an der Uni Mainz. 

Wenn man demzufolge annimmt, dass die Ausführungen in diesem Buch in der Regel auf grundlegenden wissenschaftlichen Untersuchungen basieren, liegt man genau richtig. In dieser Lektüre wird der Wein und sein Umfeld in den verschiedensten Facetten beleuchtet. Im Vorwort schreibt Rainer Brüderle, der ja bekanntlich ausgewiesener Weinfreund ist, dass der Leser nach dem Lesen dieses Buches den Wein nicht nur als Wirtschafts-, sondern auch als Kulturgut, welches unsere Zeit und unsere Geschichte widerspiegelt, erlebt. In der Tat dem Leser werden tiefe Einblicke in verschiedene weinaffine Bereiche geboten. Das Buch ist unterteilt in fünf große Bereiche: Großen Raum hierbei nimmt mit fast 100 Seiten das Thema Kulturgeschichte und Religion ein, gefolgt von den Themen Gesundheit, Weinbau und Önologie und Weingüter. Zum Schluss wagt man noch einen Ausblick in die neue Weinwelt. Diese 5 Bereiche werden wiederum in viele einzelne Beiträge untergliedert. 

Damit das alles nicht zu trocken rüber kommt, untermauern Diagramme die Messergebnisse und lockern Bilder verschiedenster Art ob klein oder großformatig das Ganze ein wenig auf. 

Wer glaubt, dieses Buch in einem Rutsch lesen zu können, wird nach wenigen Seiten merken, dass dies unmöglich ist. Im Gegenteil. Alleine das Kapitel Kulturgeschichte und Religion katapultiert die Leserschaft tausende von Jahren zurück. Bei der Suche nach der eurasischen Weinkultur oder dem ältesten Wein der Menschheit. Erstaunlich, was man allein in diesem Kapitel an Wissenswertem erfährt. Trinkhörner, Zwillingskrüge Langstielige Pokale aus schwarzer Eierschalenkeramik. Vieles entlockt einem ein : Das hab ich bisher noch nicht gewusst. Und genau darum geht es in diesem Buch. Es ist anstrengend sich intensiv mit den einzelnen Kapiteln auseinanderzusetzen. Der Sprachstil ist auch nicht dazu geeignet, mal kurz über einige Stellen drüber zu lesen, oder gar Seiten zu überschlagen. Hier muss oder darf man sich reinknien. Nachher weiß man dann z.B. weshalb die großen Sekt oder Weinflaschen Balthasar oder Nebukadnezar heißen,welche Weinbaugebiete es in biblischer Zeit gegeben hat und was die spätrömischen Kelteranlagen an Mosel und Rhein über die Geschichte des Weins aussagen. Das Moslems keinen Wein trinken dürfen ist allseits bekannt. Aber warum nicht und seit wann besteht dieses Verbot und wie sieht der Alkoholkonsum in den anderen 4 Weltreligionen aus. Auch dies wird wissenschaftlich beleuchtet.

Im Thema Wein und Gesundheit, wird auf gut 20 Seiten von der Antike bis zur Jetztzeit die Wirkung des Weines auf den Menschen untersucht. Hierbei macht es bekanntlich die Dosis. Dass ein Zuviel schädlich ist, dürfte hinlänglich bekannt sein, weniger allerdings das wieso und warum. Wie sieht es für Diabetiker oder mit Bluthochdruck aus, wann und in welcher Dosis trägt Wein zur Gesundheit des Menschen bei. Fundiert und aussagekräftig sind die Aussagen, statistisch belegt und

für jeden nachvollziehbar und es hört sich doch gut an, wenn dort zu lesen ist, dass ein moderater Weinkonsum Lebenszeit und -qualität schenken kann. 

100% weinspezifisch wird es dann in dem Kapitel Weinbau und Önologie. Hier wird das Streitthema Spontangärung oder Reinzuchthefe genauso behandelt wie das weitläufige Gebiet der Reb- und Resistenzzüchtung. Noch spezieller wird es wenn es um das Thema Schönungen geht oder das bisher noch wenig erforschte Gebiet der Mineralik im Wein. Ganz speziell wird es wenn Wein mit Musik in Verbindung gebracht wird. 

Ein wenig Schwierigkeiten hatte ich mit dem Kapitel „ Deutscher Weinbauverband e.V und 

besonders mit dem Kapitel „Weingüter“. Das mag vielleicht interessant sein, aber Verbandsnachrichten gehören meiner Meinung nach nicht in ein solches Buch. Das Gleiche gilt für die Weingüter. Schwierig den Spagat zwischen neutraler Berichterstattung und Werbung zu machen. Außerdem würde ich nicht unbedingt einem Weingut ein Forum geben was seinerzeit dem deutschen Weinbau großen Schaden zugefügt hat. Auch das Kapitel „Die Entstehung des Mainzer Weinsenats“ ist sicherlich nicht von allgemeinem Interesse und nicht unbedingt das, was ich in diesem ansonsten lehrreichen und interessanten Buch lesen möchte. Das ist alles zu speziell und sprengt den eigentlichen, durch die vorherigen Themen vorgegebenen, Rahmen. In diesem befindet man sich dann wieder mit dem „Ausblick in eine neue Weinwelt“ und mit der Beschäftigung der „Zukunftsthemen in der Weinproduktion“. In diesen beiden letzten Bereichen wird aufgezeigt wie sich neue Märkte erschließen und welche Fragen in Zukunft bezüglich Weinbereitung nach gezielten Antworten verlangen. 

Hilfreich und lobenswert finde ich, dass am Schluss jedes Artikels Literaturhinweise angefügt sind. Für jeden der sich dann eingehender mit der entsprechenden Thematik beschäftigen möchte ein probates Hilfsmittel. 

Fazit: Ein empfehlenswertes Buch für alle die mehr wollen als nur die Auflistung guter oder bester Weine und Weingüter und großformatiger Bilder berühmter Chateaus. Ein Buch für alle, die etwas tiefer in das Mysterium Wein einsteigen wollen. Nicht leicht zu lesen aber man legt es auch nicht leicht aus der Hand, wenn man sich mal festgelesen hat. Tiefgründig, lehrreich ohne den erhobenen Zeigefinger. Dem tun auch die von mir nicht so gut beurteilten Kapitel keinen Abbruch. Eine gelungene Abwechslung auf dem ansonsten mittlerweile übersättigten „Weinbüchermarkt“

Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens

Aspekte des Kulturguts Weinbaugebiete

Nünnerich-Asmus

Verlag & Media

gebunden

ISBN 9783945751121

24,90 €

 

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